Die „Holländische Krankheit“Nur eine Anpassung der Wechselkurse hilft

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Australien und Kanada leiden unter der „Holländischen Krankheit“: Die Stärke ihrer Währungen führte zu einer Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit. Aber eine Therapie verspricht Heilung.

19.01.2016 - 14:22 Uhr19.01.16 14:22
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Nur eine Anpassung der Wechselkurse hilft
© Martin de Lusenet (CC BY 2.0)

Der Ursprung: Erster Ausbruch in den Niederlanden

In Deutschlands Nachbarland wurde Ende der 1950er Jahre ein großes Erdgasvorkommen entdeckt, woraufhin sich das Wirtschaftsmodell grundlegend veränderte. Das Land konzentrierte sich auf natürliche Ressourcen – dies führte zu einem Boom beim Gasexport. Die Produktionsfaktoren orientierten sich an der aufstrebenden Industrie, während die Erdgasexporte große Mengen an Kapital einbrachten: Dies trieb den Gulden in die Höhe.

Die Boom-Branche drängte sogar andere Wirtschaftssektoren, die sich nicht auf die Ressource Erdgas bezogen, ins Abseits: Der Anteil des Fertigungssektors an den Exporten und der Bruttowertschöpfung ging erheblich zurück – denn die starke Aufwertung der Währung schwächte die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Als Folge sank in den 1970er Jahren die Beschäftigung im Fertigungssektor; Anfang der 1980er Jahre folgte eine Rezession.

Das Wirtschaftsmagazin The Economist prägte in Anlehnung an diesen nationalen Präzedenzfall den Begriff „Holländische Krankheit“: Diese liegt vor, wenn sich durch die einseitige Entwicklung des Wechselkurses eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit ergibt.

Die Gegenwart: Bedrohung für Rohstoff-Nationen

Es sieht ganz so aus, als hätten sich jetzt Australien und Kanada angesteckt. In diesen Ländern hat die Bedeutung der Rohstoffsektoren stark zugenommen, vor allem aufgrund der rasanten Industrialisierung Chinas. Beide Staaten hatten einen erheblichen Anteil beim Decken der chinesischen Nachfrage. Dies verursachte bei Wachstum und Löhnen einen Aufwärtsdruck – und führte letztlich zu höheren Zinsen.

Bild: Martin de Lusenet/flickr unter CC BY 2.0-Lizenz