AnlagekulturJunge Generation im Aktienfieber

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland steigt, insbesondere unter jungen Menschen. Doch wie und warum investieren die Neu-Börsianer? Das Flossbach von Storch Research Institute hat zusammen mit den Marktforschern von GfK eine Studie erstellt, die das Thema umfassend beleuchtet.

14.06.2021 - 13:00 Uhr14.06.21 13:00
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Vater und Tochter
Vater und Tochter: In Sachen Geldanlage gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen jüngeren und älteren Aktionären© IMAGO / agefotostock

Während der Corona-Krise gab es einen Aktienboom in der jungen Generation. Handelt es sich dabei nur um Zocker auf der Suche nach Nervenkitzel und dem schnellen Geld? Um das Phänomen der jungen Aktionäre genauer zu untersuchen, hat das Flossbach von Storch Research Institute in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut GfK im Mai 2021 eine Umfrage unter Aktionären in Deutschland durchgeführt.

Dafür haben 1.000 Teilnehmer der Altersgruppe 18 bis 35 Jahre und 1.000 Teilnehmer der Altersgruppe 36 bis 65 Jahre Fragen rund um ihre Handlungen und Einstellungen zum Thema Aktienanlage beantwortet. Die Zusammensetzung der Teilnehmer in den einzelnen Altersgruppen erfolgte nach vorheriger Ermittlung der soziodemographischen Struktur der Aktionäre. Die Ergebnisse erlauben einen Einblick in das Denken und Handeln junger Anleger im Vergleich zu älteren Aktionären in Deutschland.

Junge Anleger im Aktienfieber

Knapp 44 Prozent aller Aktionäre zwischen 18 und 35 Jahre haben während der Corona-Krise zum ersten Mal in Aktien investiert. Mehr als 38 Prozent haben ihre Investments ausgebaut (Grafik 1).

Grafik 1: Welche Aussage trifft auf Sie zu? Alter 18 bis 35 (in Prozent)

                                Quelle: Flossbach von Storch Research Institute in Zusammenarbeit mit der GfK

Die älteren Aktionäre waren hingegen etwas zurückhaltender unterwegs. Lediglich 12 Prozent haben zum ersten Mal in Aktien investiert, für 38 Prozent hatte die Corona-Krise keine Auswirkungen auf ihre Investitionen. Dennoch gaben auch viele ältere Aktionäre an, die Corona-Krise für Zukäufe genutzt zu haben: 41 Prozent haben ihre Investments gesteigert  (Grafik 2).

Grafik 2: Welche Aussage trifft auf Sie zu? Alter 36 bis 65 (in Prozent)

                                 Quelle: Flossbach von Storch Research Institute in Zusammenarbeit mit der GfK

Sowohl bei den älteren als auch bei den jüngeren Aktionären haben weniger als 10 Prozent ihre Aktieninvestitionen während der Corona-Krise verringert. Auch die älteren, aber insbesondere die jungen Aktionäre, haben die Krise genutzt und in den Aktienmarkt investiert. Sie scheinen damit einen typischen Anlegerfehler vermieden zu haben: Zum falschen Zeitpunkt dem Aktienmarkt im Angesicht einer Krise den Rücken zu kehren.

Jung und Alt setzen auf Neo-Broker

Online-Broker von Banken und Sparkassen gehören bei Jung und Alt zu den beliebtesten Depotanbietern (Grafik 3). Das Ergebnis zeigt aber auch, dass junge Aktionäre in viel größerem Ausmaß auf sogenannte Neo-Broker setzen. Anlageberater haben in beiden Altersgruppen eine geringere Bedeutung als Online-Anbieter.

Etwas andere Wege gehen junge Aktionäre bei der Suche nach Informationen für ihre Investitionen. Zwar betonen beide Gruppen die Bedeutung der eigenen Recherchen. Doch die ältere Generation greift dafür eher auf externe Informationen aus Börsensendungen, Zeitungen und Fachzeitschriften zurück, während junge Aktionäre Informationen über eigene Netzwerke im Verwandten- und Freundeskreis oder auch über Social Media Plattformen bekommen.

Grafik 3: Über welche Wege haben Sie bisher in Aktien investiert? (in Prozent)

                            Quelle: Flossbach von Storch Research Institute in Zusammenarbeit mit der GfK

Jung und Alt mit mehrheitlich langfristigen Anlagezielen

Bei der Frage nach den Anlagemotiven zeigt sich, dass junge und alte Aktionäre mehrheitlich langfristige Anlageziele verfolgen (Grafik 4). Knapp 70 Prozent der jungen Aktionäre geben an, für den Vermögensaufbau, die Altersvorsorge oder das eigene Haus beziehungsweise die eigene Wohnung in Aktien zu investieren.

Ältere Aktionäre erreichen in der Summe dieser Motive etwas mehr als 80 Prozent, wobei die eigene Immobilie eine sehr viel geringere Bedeutung hat als bei den jungen Aktionären. Sowohl bei den jungen als auch bei den älteren Aktionären findet sich eine Mehrheit, für die die Aktienanlage eine wichtige Säule des langfristigen Vermögensaufbaus darstellt und weniger ein Hobby, mit dem man etwas dazuverdienen möchte.

Grafik 4: Warum investieren Sie in erster Linie in Aktien? (in Prozent)

                                Quelle: Flossbach von Storch Research Institute in Zusammenarbeit mit der GfK

Wird nach dem zeitlichen Horizont der Aktienanlage gefragt, zeigt sich ein Unterschied zwischen den Altersgruppen. Während die älteren Aktionäre eher mehr als ein Jahr investieren, tendieren jüngere zu einem kürzeren Anlagehorizont (Grafik 5).

Grafik 5: Wie lange halten Sie im Normalfall eine Aktie, bevor Sie diese wieder verkaufen? (in Prozent)

                                   Quelle: Flossbach von Storch Research Institute in Zusammenarbeit mit der GfK