Nachhaltige Entwicklung in Gefahr Die Pandemie hat die Schwellenländer zurückgeworfen

Covid-19 hat die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) erheblich ausgebremst. Insbesondere in den ärmeren Ländern im subsaharischen Afrika und in Südasien sind die Auswirkungen schwerwiegend, betont Sarvjeev Sidhu, Leiter Schwellenländer-Strategie bei Aegon Asset Management.

16.09.2021, aktualisiert 21.09.2021 - 09:0821.09.21 - 09:08
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Schulunterricht einer zweiten Klasse in Kenia
Schulunterricht einer zweiten Klasse in Kenia: Die Pandemie hat die soziale Entwicklung der Menschen beeinträchtigt, auch im Bereich Bildung© IMAGO / VWPics

Eine der größten Schwierigkeiten der Pandemie war die unzureichende politische Reaktion. Die uneinheitliche Verfügbarkeit von Impfstoffen und der Zugang zu ihnen hat zu sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen geführt – Armut, Ungleichheit, Inflation der Nahrungsmittelpreise und Unterernährung. Zudem hatte die steigende Arbeitslosigkeit soziale Unruhen zur Folge.

Die Situation wird durch die Kluft zwischen Industrie- und Schwellenländern verschärft, wobei mehrere der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) besonders unter Druck geraten sind. Dazu trug auch bei, dass sich Umfang, Art und Dauer der fiskalischen Unterstützung erheblich unterschieden. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) gaben die Industrieländer etwa 28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Schwellenländer und Entwicklungsländer versuchten mit etwa 9 Prozent gegenzusteuern.

Vor Covid-19 hatten etwa 4 Milliarden Menschen weltweit kein Sicherheitsnetz. Die Steuerausgaben wurden zwar zugunsten der Gesundheitsversorgung und der wirtschaftlichen Unterstützung verlagert, das ging allerdings zulasten der wichtigsten SDG-Ziele. Die Pandemie hat die soziale Entwicklung beeinträchtigt, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gleichstellung der Geschlechter und Einkommen.

Personen ohne sozialen Schutz besonders anfällig für Covid-19

Nach Angaben des International Food Policy Research Institute (IFPRI) leiden infolge der Pandemie weitere 150 Millionen Menschen an extremer Armut und Nahrungsmittelunsicherheit. Sie sind von Hunger und Unterernährung bedroht, was die Erreichung von SDG 1 (keine Armut) und SDG 2 (kein Hunger) verzögern dürfte.

Die Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern dürften sich verschärfen, was die Erreichung von SDG 10 beeinträchtigt, das auf deren Verringerung abzielt. Ebenso fehlt vielerorts eine angemessene öffentliche Gesundheitsinfrastruktur. Das wirkt sich wiederum negativ auf SDG 3 (Gesundheit und Wohlbefinden) aus.

Dennoch besteht dank der Initiative der Weltbank und des IWF, die gemeinsam mit den G20-Ländern zur Aussetzung des Schuldendienstes (Debt Service Suspension Initiative, DSSI) ins Leben gerufen wurde, eine gewisse Hoffnung. Insgesamt kommen 73 Länder für einen vorübergehenden Aufschub des Schuldendienstes in Frage. Die G20 hat auch private Gläubiger aufgefordert, sich zu vergleichbaren Bedingungen an der Initiative zu beteiligen.

Langer Weg Richtung Agenda 2030

Ein gerechter Zugang zu den von der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) im Rahmen von Vaccines Global Access (COVAX) bereitgestellten Covid-Impfstoffen ist die einzige Möglichkeit, um die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie abzumildern.

Die DSSI und die traditionellen Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF, die 650 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen offiziellen Währungsreserven seiner Mitgliedsländer entsprechen, werden Millionen von Menschen helfen, denen durch die Pandemie die Möglichkeit genommen wurde, ein Leben in Würde zu führen. Eine wirksame Gesundheits- und Steuerpolitik wird der Menschheit die Chance geben, wieder auf den Weg zur Agenda 2030 zu gelangen.