Bevölkerungsentwicklung Dringender Handlungsbedarf bei der Altersvorsorge

Eine neue Prognose verdeutlicht, wie ungünstig sich das Verhältnis zwischen Rentenbeziehern und Beitragszahlern in Deutschland entwickeln wird. Es gebe daher deutlichen Reformbedarf, erläutern Dr. Michael Holstein und Michael Stappel von der DZ Bank – und machen Vorschläge.

01.10.2021, aktualisiert 05.10.2021 - 09:4105.10.21 - 09:41
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Seniorenpaar hat Grund zum Feiern
Seniorenpaar hat Grund zum Feiern: Damit das bei künftigen Rentnergenerationen auch der Fall ist, sind dringend Anpassungen im Altersvorsorgesystem erforderlich© IMAGO / Westend61

„Die vom Statistischen Bundesamt erstmals vorgelegte mittelfristige Bevölkerungsvorausberechnung unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf bei der Altersvorsorge in Deutschland“, betonen Dr. Michael Holstein und Michael Stappel von der DZ Bank.

Demnach wird die Zahl der Personen im Alter ab 67 Jahren bis 2035 im Vergleich zu 2020 um 22 Prozent auf voraussichtlich 20 Millionen steigen. Gleichzeitig schrumpft die Arbeitsbevölkerung im Alter von 20 bis 66 Jahren trotz moderater Zuwanderung um 11 Prozent auf nur noch 46 Millionen. Holstein und Stappel: „Die Zahl der Rentenbeitragszahler wird also immer kleiner, während die der Rentner weiter kräftig ansteigt. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode wurde es versäumt, weitere Vorsorge für die kommenden Belastungen aus dem demografischen Wandel zu schaffen.“

Zuwanderung allein löst das Problem nicht

Die zuletzt beschlossene „doppelte Haltelinie“ für Rentenniveau und Beitragssatz habe das Ziel, die Lasten des demografischen Wandels nicht einseitig bei Rentnern oder Beitragszahlern abzuladen. „Angesichts der zu erwartenden Mehrbelastungen des Rentensystems kann eine ständige Erhöhung des Bundeszuschusses für die Rentenkasse aber auch keine tragfähige Lösung sein“, betonten die Experten.

Einerseits sei eine hohe jährliche Zuwanderung nach Deutschland auch weiterhin nötig, um die demografischen Wandel abzufedern. „Die Berechnungen des Statistischen Bundesamts zeigen aber auch, dass Zuwanderung allein das Problem nicht lösen kann.“ Daher werde an einem flexiblen Rahmen für den Renteneintritt, der an der Finanzierbarkeit ausgerichtet sein muss, der den Menschen aber auch Entscheidungsspielraum gibt, kein Weg vorbeiführen. Das eröffne auch die Möglichkeit, bei einer höheren privaten Vorsorge früher in Rente zu gehen.

Private Altersvorsorge wichtiger denn je

Allerdings habe sich bei der privaten Riester-Rente ebenfalls Reformbedarf aufgestaut. „Sie ist zu bürokratisch, erreicht nicht genügend Menschen und lässt bei den Anbietern hohe Kosten entstehen. Die meisten Verträge basieren bei der Kapitalanlage auf sicheren Wertpapieren, die inzwischen niedrige oder gar negative Renditen aufweisen“, erklären die DZ-Bank-Experten. Daher sollte die 100-Prozent-Garantie für Beiträge und Zulagen gelockert werden, um den Anbietern Spielraum für mehr Kapitalanlagen mit besseren Renditechancen zu geben.

Auf der Reformagenda der neuen Bundesregierung stehe die Bekämpfung des Klimawandels zurecht ganz oben. Schließlich gehe es darum, unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen. „Gewaltigen Reformbedarf gibt es aber auch bei der Altersvorsorge, das verdeutlichen die aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes einmal mehr. Wir brauchen mehr qualifizierte Einwanderung, Flexibilität beim Renteneintritt und eine Entbürokratisierung der geförderten privaten Altersvorsorge, die mehr Spielraum bei der Kapitalanlage gibt“, fordern die Experten.

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