Eyb & Wallwitz-Podcast„Droht eine Zombifizierung der deutschen Wirtschaft?“

Ob in Deutschland eine Insolvenzwelle droht, die Stützungsmaßnahmen während der Pandemie übertrieben waren und welche Nebenwirkungen sie mit sich bringen – darüber diskutieren Kristina Bambach, Andreas Fitzner und Johannes Mayr in der neuesten Ausgabe des Eyb & Wallwitz Podcasts.

09.07.2021 - 13:45 Uhr09.07.21 13:45
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Modegeschäft schließt
Modegeschäft schließt: „Hilfskredite sind mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu betrachten“, sagt Johannes Mayr© IMAGO / Ralph Peters

Wenn Wirtschaftskrisen etwas Gutes haben, dann das: Sie sorgen für kreative Zerstörung. Unprofitable Unternehmen verschwinden vom Markt, innovative Firmen florieren und das System wird effizienter. Während der Krise flossen allerdings massive Überbrückungshilfen. Außerdem verzögerte das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht die Bereinigung der Unternehmenslandschaft. Waren die Maßnahmen notwendig, um die Stabilisierung der Konjunktur zu sichern? „Sie waren ein wichtiger Baustein dessen“, sagt Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

Was wäre passiert, hätte es die Unterstützung nicht gegeben? „Klar ist, dass die Insolvenzen ohne diese Mechanismen deutlich angestiegen wären. Das wurde zum einen durch die fiskalischen Hilfsprogramme und zum anderen durch die regulatorischen Eingriffe verhindert“, so Mayr. Alleine im zweiten Quartal 2020 haben wir etwa 10 Prozent der Wirtschaftsleistung verloren, viele Branchen und Unternehmen sind fast ohne Umsätze durch das Jahr gegangen und hätten sonst wohl nicht überlebt.

Droht also eine Zombifizierung der Wirtschaft? Werden angeschlagene Unternehmen künstlich am Leben erhalten? Dadurch entstehen Überkapazitäten, die wiederum die Entwicklung produktiver Sektoren behindern. „Die unmittelbare Folge der Hilfen ist zunächst einmal der Anstieg des Schuldenniveaus – vor allem des öffentlichen Sektors“, erklärt Mayr. Auch die Verschuldung der Unternehmen ist weiter angestiegen, nicht zuletzt, da die Umsätze massiv eingebrochen sind.

Mayr fragt sich daher: „Wie lange sollte man so eine Situation aufrechterhalten?“ Denn die Nebenwirkungen würden mit der Dauer der Hilfen zunehmen. „Das liegt vor allem daran, dass die Regierungen sich gerade schwertun zu unterscheiden, ob ein Unternehmen aufgrund der Pandemie in Schwierigkeiten geraten ist oder ob vorher schon strukturelle Probleme vorlagen. Aufgrund dessen sind Hilfskredite mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu betrachten“, sagt Mayr.

Ob in Deutschland eine große Insolvenzwelle droht und welche Konsequenzen das hätte, erfahren Sie in der neuesten Ausgabe des Podcasts von Eyb & Wallwitz. Jetzt reinhören!