Nachhaltiger bauen Drucken statt mörteln

Der Bausektor gehört zu den weltweit größten CO2-Emittenten. Es gibt jedoch Alternativen zur traditionellen Bauweise, die sowohl nachhaltiger als auch günstiger sind. Dazu gehören Häuser aus dem 3D-Drucker. Aktuell noch eine Nische, bald ein Milliardenmarkt?

12.04.2021 - 13:2713.04.21 - 08:13
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Zentimeter um Zentimeter entsteht ein Haus aus dem 3D-Drucker
Zentimeter um Zentimeter entsteht ein Haus aus dem 3D-Drucker: Mit der Technologie lassen sich Häuser nachhaltiger und kostengünstiger bauen© IMAGO / CTK Photo

Dubai, Ithaca im US-Bundesstaat New York und Beckum in Deutschland – unterschiedlicher könnten Städte nicht sein. Dennoch haben sie eine Gemeinsamkeit: In jedem der Orte gibt es bereits Häuser aus dem 3D-Drucker. Schicht um Schicht trägt der Drucker Zement auf, bis die Wände stehen. Dabei werden nur wenige Arbeiter gebraucht, was auf der einen Seite Kosten spart, sich auf der anderen Seite aber nachteilig auf den Arbeitsmarkt auswirken könnte.

Bereits 2018 präsentierte das US-Start-up Icon einen 3D-Drucker, der ein 33-Quadratmeter-Bungalow in nur 48 Stunden errichten konnte – für gerade einmal 10.000 US-Dollar. Ein Jahr später gelang es dem Unternehmen, ein kleines Haus mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und einer Terrasse in nur 24 Stunden zu drucken – für lediglich 4.000 US-Dollar.

Berücksichtigung des Umweltaspekts

Der Bau- und Gebäudesektor liegt laut dem jüngsten Bericht des UN-Umweltprogramms beim CO2-Ausstoß weltweit auf Rekordniveau und droht damit, die im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegte Grenze zu überschreiten. Der Sektor ist mittlerweile für 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. „Insgesamt hat sich der Gebäude- und Bausektor nicht in Richtung des im Paris Abkommens festgelegten Ziels bewegt, die globale Durchschnittserwärmung weit unter zwei Grad Celsius zu halten, sondern davon wegbewegt“, so das Fazit des Berichts.

Eine nachhaltigere Alternative: Das Haus aus dem 3D-Drucker. Dabei fallen deutlich weniger Materialabfälle an und es wird recyclebarer Beton genutzt. Die Bauweise folgt außerdem den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet: Komponenten werden so gestaltet, dass sie in Zukunft wiederverwertet werden.

Eines von vielen Beispielen: Das ökologische Haus „Ashen Cabin“ in New York. Es setzt zum einen auf Betonteile, die mit einem 3D-Drucker hergestellt wurden, zum anderen auf befallenes Eschenholz. Das Besondere: Das Holz wurde vom smaragdgrünen Eschenbohrkäfer heimgesucht und wäre normalerweise verbrannt worden. Durch die Verwendung des Holzes für „Ashen Cabin“ wurden somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Holz wurde nicht aussortiert, was gleichzeitig einen positiven Effekt auf die CO2-Bilanz des Hauses hat.

Trend erreicht Deutschland

Was vor einigen Jahren noch eine Spielerei war, um beispielsweise kleine Figuren herzustellen, hat inzwischen auch die deutsche Immobilienbranche erreicht.

Das erste deutsche Wohnhaus aus dem Drucker ist ein zweigeschossiges Einfamilienhaus im nordrhein-westfälischen Beckum mit etwa 80 Quadratmetern Wohnfläche pro Geschoss und dreischaligen Wänden, die mit Isoliermasse verfüllt werden. Hergestellt wird das Haus von PERI, einem Anbieter von Schalungs- und Gerüstsystemen für die Bauindustrie, in Zusammenarbeit mit dem Dax-Konzern Heidelberg Cement.

Interessanter Zukunftstrend

Häuser aus dem 3D-Drucker sind aber nicht nur nachhaltiger, sondern auch deutlich günstiger als konventionelle Neubauten. Das liegt vor allem daran, dass es wenige Personen braucht, um den 3D-Drucker zu bedienen. Zudem entfallen die Kosten für Gerüste und andere Gerätschaften, die für den traditionellen Häuserbau nötig sind. Das Marktforschungsinstitut Markets and Markets prognostiziert, dass die weltweite Betondruck-Branche bis 2023 um 317 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro wachsen wird.

Doch noch gibt es beim Bau Grenzen: Je größer das Haus werden soll, desto größer muss auch der 3D-Drucker sein. Aus diesem Grund muss die Technik stets weiterentwickelt werden, damit auch höhere Häuser realisiert werden können. Bevor es hoch hinaus geht, muss sich die Technologie allerdings überhaupt erst einmal am Markt etablieren. Denn: Die hohen Anschaffungskosten erschweren es vielen Bauunternehmen, sich ein solches Gerät anzuschaffen. Außerdem müssen viele Gemeinden erstmal ihre Bauregeln anpassen – bevor das nicht erledigt ist, dürften gedruckte Häuser weiter zur Ausnahme gehören.