Düsterer Exportausblick für Deutschland„Gute Binnennachfrage wird nicht vor Schäden durch Handelskrieg retten“

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Es geht wieder aufwärts: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal gestiegen. Doch hält der Trend an? Was die Talfahrt in der zweiten Jahreshälfte 2018 verursacht hat und wie es weitergehen könnte, erläutert Schroders‘ leitender Europaökonom und Stratege Azad Zangana.

27.05.2019 - 16:53 Uhr27.05.19 16:53
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Montageband in einer Volkswagen-Fabrik
Montageband in einer Volkswagen-Fabrik: Der Dieselskandal führte zu Rückständen bei der Prüfung und Lieferung neuer PKW in ganz Europa.© Getty Images

Haben die Deutschen wieder Grund zur Freude? Nachdem das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren immer mehr stagniert und das Bruttoinlandprodukt (BIP) im letzten Quartal 2018 sogar um 0,2 Prozent gesunken war, befindet es sich nun wieder auf Wachstumskurs. „Die Haushaltsausgaben und Bauaktivitäten sind gewachsen – das hat erheblich zur Erholung beigetragen“, sagt Azad Zangana, Leitender Europaökonom und Stratege bei Schroders.

Abgasskandal und Wasserspiegel

Doch warum hatte sich Deutschlands Konjunktur abgeschwächt? Immerhin war ein schwaches Wachstum kein rein deutsches Phänomen: Sowohl in den wichtigsten Industrieländern als auch im europäischen Durchschnitt sind die Wachstumszahlen seit dem Jahr 2017 gesunken – die Weltkonjunktur  kühlt sich allmählich ab.

In Deutschland gab es jedoch erschwerende Faktoren, die diese Entwicklung verstärkt haben. „Für die deutsche Wirtschaft gab es im letzten Quartal jede Menge Gegenwind“, betont Zangana. So habe der Gesetzgeber infolge des Volkswagen-Abgasskandals die Emissionsprüfungen bei PKWs geändert. „Das führte zu einem europaweiten Rückstand bei der Prüfung und Lieferung neuer PKW“, so der Schroders-Ökonom.

Was seltsam klingt, aber dennoch ausschlaggebend war: der Wasserstand des Rhein. „Die Dürre ließ den Spiegel einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt so weit sinken, dass Lastschiffe die Güter nicht mehr transportieren konnten“, erläutert Zangana. Das habe dazu geführt, dass wichtige Produktionszentren nicht mehr versorgt werden konnten.

Exporte dürften leiden

Die Störungen, die den Rückgang verursacht hatten, waren vorübergehend und sind nun fast vollständig verschwunden – und die Produktion hat wieder Fahrt aufgenommen. Viel Grund zur Freude gibt es aber nicht. „Zwar hat sich die Binnennachfrage stabilisiert. Für die Auslandsnachfrage sehen wir jedoch nichts Gutes“, warnt Zangana. Denn: Der Handelskrieg zwischen den USA und China spitzt sich zu – und dürfte den internationalen Handel und die Nachfrage nach deutschen Exporten belasten.

Besonders falls die US-Regierung tatsächlich Zölle auf Autoimporte aus der Europäischen Union (EU) einführen sollte, wird Deutschlands Wirtschaft leiden. „Sollte es tatsächlich zu einem ausgewachsenen transatlantischen Handelskrieg kommen, sehen wir für Deutschland als einen der größten Exporteure der Welt ein großes Abwärtsrisiko“, betont der Schroders-Ökonom. „Eine solche Eskalation halten wir zwar nicht für wahrscheinlich. Doch wir rechnen ebenso wenig damit, dass die Auslandsnachfrage in naher Zukunft erheblich steigt.“