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Pia Bradtmöller, Leiterin Marketing & PR für Deutschland und Österreich bei J.P. Morgan Asset Management

Frauen und Geldanlage „Ein Fondssparplan ist ein idealer Einstieg“

Mit Blick auf ihre Finanzen haben viele Frauen eine ungefähre Ahnung, womit sie im Alter rechnen können: Mit relativ wenig. Pia Bradtmöller, Leiterin Marketing & PR bei J.P. Morgan Asset Management, liefert Argumente für die Kapitalanlage und will dazu ermutigen, die langfristige Geldanlage so praktisch anzugehen wie die Finanzplanung des Alltags.

03.06.2021 - 15:21 Uhr | in Interview

Frau Bradtmöller, das Alterseinkommen von Frauen in Deutschland liegt ganz erheblich unter dem der männlichen Rentner. Von Politik und Medien wird die Gleichstellung der Geschlechter propagiert, gleichzeitig scheint sich am „Gender Pay Gap“ nur langsam zu verändern. Was müssen Frauen über ihre Finanzen wissen?

Pia Bradtmöller: Auch wenn die Gleichberechtigung heute in vielen Lebensbereichen auf einem guten Weg ist: Gerade rund um das Thema Finanzen gibt es weiterhin Nachholbedarf. Denn noch immer verdienen Frauen laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 19 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Da sie aufgrund dieses „Gender Pay Gaps“ einen geringeren finanziellen Spielraum haben, können sie auch deutlich weniger für ihr Alter vorsorgen. Verbunden mit Erziehungszeiten und Arbeiten in Teilzeit kommt es zu der erschreckenden Lücke von 46 Prozent, die das Alterseinkommen von Frauen in Deutschland unter dem der Männer liegt.

Man sollte meinen, das sei ein guter Grund, aktiv zu werden?

Bradtmöller: Nach wie vor gehen zu wenige Frauen das Thema Finanzen und Vorsorge aktiv an. Dabei ist es umso wichtiger, einen Überblick über ihre Finanzen zu haben und zu wissen, womit sie im Alter rechnen können. Denn Lebenssituationen können sich jederzeit ändern, sodass es wichtig ist, sich nicht auf andere zu verlassen, sondern die finanzielle Zukunft aktiv selbst zu gestalten.

Was ist zu tun?

Bradtmöller: Ein ganz wichtiger erster Schritt ist eine Finanzplanung. Wir haben gerade eine aktuellen Befragung von rund 4.000 Frauen in zehn europäischen Ländern durchgeführt und versucht, die Unterschiede zwischen Anlegerinnen und Sparerinnen zu identifizieren. Der größte Unterschied ist tatsächlich, ob eine Finanzplanung durchgeführt wurde, oder nicht. Von den Anlegerinnen haben mehr als drei Viertel einen solchen Plan, von den Sparerinnen weniger als jede Zweite. Wer also den ersten Schritt der Planung gegangen ist – ob mit Unterstützung einer Finanzberaterin oder eines Finanzberaters oder mit einem Online-Tool – setzt diese Planung auch eher in die Tat um.

Doch warum gehen so viele Frauen das Thema Finanzen und Vorsorge nicht an?

Bradtmöller: Dafür gibt es viele Gründe – auch das haben wir in unserer aktuellen Befragung herausgefunden. Dabei hat sich gezeigt, dass Frauen gerade bei der langfristigen Geldanlage, etwa für die Altersvorsorge, ein geringeres finanzielles Selbstbewusstsein haben. Das heißt die täglichen Finanzthemen gehen sie durchaus selbstsicher an, aber gerade Frauen, die sich bisher noch nicht an das Thema Wertpapieranlagen herangetraut haben, finden das Thema zu kompliziert und das schafft Unsicherheit, welche das Selbstbewusstsein sinken lässt.

Und so ist Finanzwissen ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Wertpapieranlage. Von den Frauen in unserer Befragung wünschen sich 48 Prozent einen einfachen Leitfaden zu den Grundlagen des Anlegens, 39 Prozent hätten gern eine Finanzberatung, die sie insbesondere dabei berät, wann ge- und verkauft werden sollte, 36 Prozent wünschen sich eine einfache Erläuterung von Finanzfachbegriffen und 24 Prozent würden sehr gern regelmäßig darüber informiert, was an den Kapitalmärkten passiert. Gerade mit dem Leitfaden unterstützen wir Finanzberaterinnen und -berater im Rahmen unserer Kampagne „Vom Sparen zum Anlegen“ bereits seit Jahren erfolgreich.

Ein weiterer Grund ist Zeitmangel. Viele Frauen sind mit ihrem Leben mehr als ausgelastet und wollen sich dann nicht zusätzlich mit dem Thema Geldanlage belasten. Wobei unsere Studie zeigt, dass jede dritte Nicht-Anlegerin und sogar jede zweite Anlegerin bereit ist, mehr Geld auszugeben – etwa für eine gute Finanzberatung oder für Anlageprodukte – wenn sie dadurch Zeit sparen können.

Warum ist es nie zu spät für Kapitalmarktinvestments?

Bradtmöller: Ein häufiger Irrtum bei der Geldanlage ist zu glauben, der Anlagehorizont sei nicht mehr lang genug für ein Kapitalmarktinvestment. Viele Frauen meinen, sie seien zu alt, um mit Wertpapieranlagen zu beginnen. Es gibt allerdings kein „falsches Alter“, um mit dem Anlegen anzufangen. Da die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau heute 80 Jahre alt wird, bei 76 Prozent liegt, haben selbst Frauen an der Schwelle zum Rentenalter noch einen langfristigen Anlagehorizont von deutlich mehr als zehn Jahren.

In unserer aktuellen europäischen Umfrage zum Thema Frauen und Geldanlage haben die befragten Frauen durchschnittlich im Alter von 29 Jahren mit dem Anlegen begonnen. Das ist toll, denn wer jung ist, profitiert langfristig von einem starken Zinseszinseffekt – das sollte für jede junge Frau ein guter Grund sein, so schnell wie möglich loszulegen, auch wenn es zunächst nur mit kleinen Beträgen ist. Und wer bereits älter ist, hat dafür vielleicht etwas mehr Geld zur Verfügung.