Einzelhandel in DeutschlandÜberraschender Verdoppler beim Umsatzplus

Die Umsätze im deutschen Einzelhandel haben im November mehr als doppelt so kräftig zugelegt wie erwartet. Analysten meinen: Der Schwung am deutschen Aktienmarkt hält an.

05.01.2018 - 09:46 Uhr05.01.18 09:46
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Adidas-CEO Kasper Rorsted bei der Bilanzvorstellung in Herzogenaurach: Der Konsumtitel aus dem DAX hat übers Jahr 16,3 Prozent zugelegt
Adidas-CEO Kasper Rorsted bei der Bilanzvorstellung in Herzogenaurach: Der Konsumtitel aus dem DAX hat übers Jahr 16,3 Prozent zugelegt© Getty Images

Die Umsätze in Deutschlands Einzelhandel haben sich nach Abzug der Inflation um 2,3 Prozent gegenüber dem Vormonat erhöht, meldet das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Grundlage vorläufiger Daten. Volkswirte hatten lediglich ein Plus von 1,0 Prozent prognostiziert.

Noch besser sieht der Zuschlag auf Jahressicht aus: Die Umsätze haben sich im November um 4,4 Prozent zum Vergleichsmonat des Vorjahres verbessert, wobei die Geschäfte im November 2017 und im Vorjahresmonat jeweils an 26 Verkaufstagen geöffnet hatten.

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren meldete im November preisbereinigt einen gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,2 Prozent gestiegenen Umsatz. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln legten die Umsätze um 4,7 Prozent gegenüber den Werten des Vorjahresmonats zu.

Gute Vorgaben für den DAX

Rund 25 Prozent macht der Einzelhandel am gesamten privaten Konsum in Deutschland aus. Konsumtitel stehen deshalb im Fokus der Investoren.  

Aber auch generell sehen Analysten den deutschen Aktienmarkt weiterhin positiv – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der sich synchron gut entwickelnden Volkswirtschaften weltweit. Die Commerzbank geht in ihrer jüngsten Analyse zur Entwicklung der Märkte davon aus, dass die Gewinne deutscher Unternehmen 2018 durchschnittlich um zehn Prozent steigen werden. Der DAX könnte diese gute Vorlage in einen Anstieg auf 13.500 Punkte verwandeln.

„Die Fachleute aus der Wirtschaft stimmen überein, dass sich der Boom der Weltwirtschaft fortsetzt“, so Metzler-Analyst Hendrik König. Trotz der Wachstumsdynamik sei die Inflation bis dato niedriger als erwartet. Tatsächlich hat der Preisdruck in der Eurozone im Dezember leicht nachgelassen. Die jährliche Inflationsrate ging auf 1,4 Prozent zurück, wie die Statistikbehörde Eurostat errechnet hat.

König geht außerdem davon aus, dass die guten Nachrichten zu Wachstum und Gewinnen europäischer Unternehmen insgesamt stärker wiegen dürften als geopolitische Risiken, wie schon in den vergangenen Jahren zu beobachten war.

Die Unternehmensgewinne in der Eurozone beginnen laut König mit den zumeist hohen Analystenschätzungen Schritt zu halten – und die Bewertungen seien noch nicht überstrapaziert, vor allem nicht im Vergleich zu anderen Anlageklassen. „Die ungewöhnlich lang anhaltende extreme Niedrigzinspolitik dürfte allerdings ihren Zenit überschritten haben, was eine markante Ausweitung der Bewertungsniveaus begrenzen sollte“, schätzt der Metzler-Analyst ein.

Fondsmanager Bert Flossbach ist hingegen nicht überzeugt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) es schafft, eine baldige Zinswende auf den Weg zu bringen. Er sieht die EZB in einer Welt der Niedrigzinsen gefangen. „Die EZB ist praktisch gar nicht in der Lage, die Zinsen spürbar anzuheben. Und sie kann auch keine Zinswende am langen Ende des Marktes, etwa bei zehnjährigen Bundesanleihen, zulassen“, so Flossbach aktuell im Interview mit dem „Handelsblatt“.