Emmanuel Macron Frankreichs neuer Revolutionär

Dürfen sich Anleger über Emmanuel Macrons Triumph bei den französischen Parlamentswahlen freuen? Der Präsident hat viel vor, unter anderem will er das Arbeitsrecht lockern und die hohe Staatsbeteiligung an der Wirtschaft reduzieren.

12.06.2017 - 14:2612.06.17 - 15:03
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Emmanuel Macron ist der jüngste Präsident seit Napoleon Bonaparte und wird auch häufig mit ihm verglichen
Emmanuel Macron ist der jüngste Präsident seit Napoleon Bonaparte und wird auch häufig mit ihm verglichen© Elena Ekkert

Emmanuel Macron hat an den Märkten große Erleichterung ausgelöst. Doch ist diese gerechtfertigt? Der französische Präsident verspricht, die Wirtschaft ankurbeln. Nötig ist das allemal: Frankreich leidet unter hohen Arbeitslosenquoten, einem schwachen Wirtschaftswachstum (1,2 Prozent; Vergleich: in Deutschland sind es 1,9 Prozent) und enormen Staatsschulden (96,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts).

Dem will Macron ein Ende bereiten. Der ehemalige Investmentbanker und Ex-Wirtschaftsminister verspricht eine wirtschaftsfreundliche Politik. Doch auch Protektionismus steht auf der Liste seiner Wahlversprechen, wobei sich Macron auf Europa und nicht ausschließlich auf Frankreich bezieht. In Europa möchte der Franzose den Zusammenhalt vertiefen und sogenannte Eurobonds einführen. Dabei handelt es sich um Anleihen, für die mehrere Staaten der Europäischen Union (EU) gemeinsam haften.

Innenpolitisch hat Macron viel vor. „Révolution“ heißt der Titel seiner Autobiographie. Mit seinem Reformprogramm will er Frankreichs Wirtschaft ankurbeln, indem er den Arbeitsmarkt liberalisiert und die hohe staatliche Beteiligung reduziert. Aktien, an denen der Staat nicht die Mehrheit hält, sollen abgestoßen werden – diese würden sich auf zehn Milliarden Euro belaufen und fließen in einen „Fond für Industrie und Innovation“. Große Investitionen sind geplant: 15 Milliarden Euro Steuergelder will Macron in die Bildung stecken und so Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen. Auch erneuerbare Energien will der Präsident fördern und weitere 15 Milliarden investieren. Unternehmen sollen Steuererleichterungen erhalten und das Arbeitsrecht gelockert werden.

Dabei könnte Macron allerdings auf inneren Widerstand stoßen: Die in Frankreich sehr starken Gewerkschaften etwa werden sich mit großer Sicherheit gegen die geplante Liberalisierung des Arbeitsmarktes stemmen. Und wie erfolgreich Macron seine wirtschaftlichen Reformen durchsetzen kann und wann diese ihre Wirkung zeitigen, bleibt noch abzuwarten. Gute Investitionsmöglichkeiten werden sich sicherlich auftun.