Drei Gründe Erholung bei japanischen Aktien in Sicht

Der japanische Aktienmarkt hat im Vergleich zu anderen großen Indizes lange geschwächelt. Auf absehbare Zeit könnte er jedoch eine Aufholjagd starten, erwartet Alex Lee, Portfoliomanager bei Columbia Threadneedle Investments.

20.09.2021 - 12:0020.09.21 - 12:39
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Börsentafel in Tokio
Börsentafel in Tokio: Die langfristigen Aussichten für den japanischen Aktienmarkt scheinen günstig© IMAGO / ZUMA Wire

„Die Zeiten, in denen japanische Aktien gegenüber anderen Märkten eine kontinuierliche Underperformance hinlegten, sind lange vorbei“, sagt Alex Lee, Portfoliomanager bei Columbia Threadneedle Investments. Für Aufholpotenzial sprechen aus seiner Sicht drei Gründe:

Erstens die zurückhaltenden Gewinnausblicke der Unternehmen, die aus seiner Sicht die Erwartungen der Analysten belastet haben. Die meisten japanischen Firmen veröffentlichten ihre Ausblicke im April oder Mai – in diesem Jahr ein ungünstiger Zeitpunkt. „Der Ausblick für das Konjunkturumfeld war unklar, denn in Japan und vielen anderen Ländern stiegen die Neuinfektionen wieder“, sagt Lee. „Daher gehen wir davon aus, dass sich die Gewinnerwartungen der japanischen Managementteams als sehr konservativ herausstellen werden – und die Konsensschätzungen Luft nach oben haben.“

Zweitens sei die Beschleunigung der zunächst schleppenden Entwicklung der Corona-Schutzimpfungen ein Grund. Die USA und Europa seien bei den Impfkampagnen deutlich schneller vorangekommen, während Japan fast durchgehend im Lockdown gesteckt habe. Lee: „Der Ausblick ist jedoch freundlicher. Nach einem langsamen Start hat Japans Impfprogramm in den vergangenen Monaten deutlich an Fahrt aufgenommen.“ Damit sei der Weg frei, um die Wirtschaft des Landes schrittweise wieder zu öffnen.

Drittens die politische Situation. Am 21. Oktober finden planmäßig Neuwahlen zum Unterhaus statt. In deren Vorfeld ist Premierminister Yoshihide Suga kürzlich zurückgetreten, nachdem er in der Bevölkerung an Beliebtheit verloren hatte – unter anderem wegen des Corona-Managements seiner Regierung. Daisuke Nomoto, Leiter für japanische Aktien bei Columbia Threadneedle, bewertet den Rücktritt aus Anlegersicht positiv: „Er verringert die Wahrscheinlichkeit eines ungünstigen Ergebnisses für die amtierende Regierungspartei bei den anstehenden Unterhauswahlen“. Außerdem verweist Nomoto darauf, dass der japanische Aktienindex Topix nach dem Rücktritt auf den höchsten Stand seit 30 Jahren gestiegen ist.

Viele innovative Unternehmen

„Die langfristigen Aussichten für den japanischen Aktienmarkt sind in Anbetracht seiner attraktiven Bewertung und vor dem Hintergrund einer strukturellen Verbesserung der Kapitalrenditengünstig günstig“, so Lee. Der Portfoliomanager betont, dass die Firmen ihre Corporate Governance in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert hätten. Zudem hätten sie sich angesichts des Mangels an Arbeitskräften effizienter aufgestellt. „Es kann immer mal wieder zu Störungen kommen, wie wir in diesem Jahr gesehen haben“, sagt Lee. „Doch Japan hat viele großartige Unternehmen, die in ihren Bereichen führend sind. Diese Firmen können nicht ewig unter dem Radar bleiben.“

Nomoto ergänzt: „Falls die regierende Partei LDP ihre Mehrheit behält, können wir mit einer starken Marktreaktion rechnen. Für den japanischen Index könnte das in Anbetracht der Underperformance in diesem Jahr ein Katalysator sein, um zu den Indizes für die USA und Europa aufzuschließen.“

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