Geldanlage mit WirkungESG alleine reicht nicht

Bei der Auswahl nachhaltiger Investments stehen oft die ESG-Kriterien im Vordergrund. Aber hilft das der Umwelt? Die Experten von der FORAIM Finanzmanagement und -Service GmbH sind skeptisch – und zeigen Alternativen.

08.07.2021 - 16:30 Uhr08.07.21 16:30
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Wandergruppe in der Steiermark
Wandergruppe in der Steiermark: Auch Aufforstung kann durch Impact Investing unterstützt werden© IMAGO / Jochen Tack

Nachhaltig Geld anlegen – das klingt erst einmal super. Aber: Können ESG-Investments überhaupt einen positiven Effekt auf das Klima haben? Oder geht das nur mit wirkungsorientierten Impact-Investing-Strategien? Mit dieser Frage haben sich die Experten der FORAIM Finanzmanagement und -Service GmbH beschäftigt.

Grundsätzlich seien Investments, die ESG-Kriterien berücksichtigen, eine gute Sache. „Langfristig dürfte die Rendite deutlich höher ausfallen und es wird immer offensichtlicher, dass es einen Paradigmenwechsel innerhalb der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft braucht.“

Kein unmittelbar positiver Einfluss auf die Umwelt

Anleger, die sich bei der Titelauswahl auf ESG-Kriterien konzentrieren, investieren in Unternehmen, die bereits Klimaschutzmaßnahmen und soziale Kriterien bei der Unternehmensführung erfüllen. „Das ist sicherlich besser, als in nicht nachhaltige Unternehmen zu investieren.“ Doch das investierte Geld könne häufig nicht direkt von dem jeweiligen Unternehmen genutzt werden, um unmittelbar der Umwelt zu helfen. Denn: Das Geld, das für die Aktie gezahlt wird, gehe an den Verkäufer – und dieser ist in der Regel nicht das Unternehmen selbst.

Allerdings gebe es einen indirekten Effekt für das Unternehmen: Der Aktienkurs steigt. Das könne sich wiederum positiv auf die Kreditkosten auswirken. Doch der Umwelt helfe auch das nicht: „Nachhaltige Fonds lenken kaum Kapital in eine nachhaltige Wirtschaft“, kritisiert die Umweltorganisation Greenpeace.

Engagement und Impact Investing

Impact Investing hingegen beziehe sich auf Investitionen, die in Unternehmen, Organisationen und Fonds getätigt werden, um messbare, vorteilhafte soziale oder ökologische Auswirkungen zu erzielen und gleichzeitig eine finanzielle Rendite zu erzielen. „Das ist sicher wirkungsvoller als nur eine rein ESG-orientierte nachhaltige Geldanlage“, erklären die FORAIM-Experten. Allerdings gebe es auch hier einen Haken: „Das investierte Geld gelangt nicht als frisches Geld in das Unternehmen.“

Engagement ist ein wenig gebräuchlicher Begriff in der Branche. „Wir definieren es als aktives Einwirken auf die Aktiengesellschaften, in denen ein Fonds investiert ist, um Ziele im Zusammenhang mit den ESG-Kriterien zu erreichen“, erklären die Experten. Dieses Einwirken kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: Beispielsweise durch den Dialog der Fondsmanager mit den Vorständen oder durch das Mitspracherecht auf Hauptversammlungen. Ebenso könnte das Fondsmanagement die Aktie des „unerwünschten“ Unternehmen aus den Fonds abstoßen.

Dabei ist Engagement keineswegs eine neue Erfindung. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Begriff „Stewardship“. „Seit den 1990er-Jahren ist die aktive Eigentümerrolle für institutionelle Investoren im Vereinigten Königreich eine Selbstverständlichkeit. Investoren treten regelmäßig in Dialog mit Unternehmen und diskutieren Fragen in Bezug auf die Unternehmensführung. Seit der Einführung des Stewardship Codes besteht die Pflicht für institutionelle Investoren mit den Unternehmen, in die sie investiert sind, Gespräche zu führen.“

Interessante Themenfelder

Wenn bei der Entscheidung für eine nachhaltige Geldanlage nicht nur auf die Einhaltung der ESG-Kriterien, sondern auch auf Impact Investing und Engagement geachtet wird, bestehe für jeden Anleger die Möglichkeit, mit dem Kapital direkte Wirkungen für eine bessere Zukunft zu erzielen. Und aufgrund der Vielfalt könnten eindeutige und individuelle Schwerpunkte gesetzt werden. So kann unter anderem mit Investmentfonds gezielt in folgende Bereiche investiert werden:

  • Clean Technology (umweltverträgliche Technologien)
  • Wertschöpfungskette Nahrung und Ernährung
  • Aktien kleiner und mittelständischer Unternehmen weltweit, die eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft verfolgen und besonders soziale oder ökologische Geschäftsmodelle führen
  • Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen zur Behandlung von Krebs herstellen oder anbieten
  • Unternehmen, die Lösungen zum Übergang in eine Kreislaufwirtschaft bieten
  • Erhalt und Wiederaufforstung von Wäldern
  • Mikrofinanzen
  • Nachhaltige Fischwirtschaft

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