Vorbehalte nehmen ab ESG verliert seinen Ruf als Renditebremse

Dass sich Rendite und Nachhaltigkeit nicht ausschließen, dringt immer stärker ins Bewusstsein der Investoren. Sie sehen aber nach wie vor Herausforderungen im Bereich ESG-Investing. Insgesamt beurteilen die vom Vermögensverwalter Schroders befragten Großanleger die Renditechancen am Kapitalmarkt positiv.

04.08.2021 - 12:5905.08.21 - 09:23
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Nachhaltig Rendite pflücken
Nachhaltig Rendite pflücken: Immer weniger Investoren sind der Meinung, dass die Berücksichtigung von ESG-Aspekten den Ertrag schmälert © IMAGO / Westend61

Die Sorge institutioneller Investoren, dass nachhaltiges Investieren die Wertentwicklung beeinträchtigen könnte, ist im vierten Jahr in Folge zurückgegangen. Gleichzeitig hat die Corona-Krise Nachhaltigkeit stärker in den Fokus gerückt. Das sind zwei Ergebnisse der Schroders Institutional Investor Study 2021, für die weltweit 750 institutionelle Anleger mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt rund 26,8 Billionen US-Dollar befragt wurden.

38 Prozent der befragen Institutionen äußerten Bedenken im Hinblick auf die Performance nachhaltiger Investments – ein klarer Rückgang verglichen mit 45 Prozent vor einem Jahr und 48 Prozent 2019. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass unter Anlegern die Sorge abnimmt, nachhaltiges Investieren könnte die Renditen schmälern.

„Es ist erfreulich, festzustellen, dass die von Investoren lange gehegten Bedenken hinsichtlich der Performance nachhaltiger Investments weiter abnehmen“, kommentiert Andrew Howard, Global Head of Sustainable Investment bei Schroders, die Entwicklung. „Wir betonen seit vielen Jahren, dass sich nachhaltiges Investieren und eine starke Fokussierung auf robuste Renditen nicht gegenseitig ausschließen. Tatsächlich stehen intelligente Ansätze zu Nachhaltigkeit bei der Erzielung langfristiger Anlagerenditen im Mittelpunkt.“

Von zentraler Bedeutung ist, dass die Corona-Krise nachhaltiges Investieren bei institutionellen Investoren stärker ins Rampenlicht gerückt hat. Global halten dies 52 Prozent wegen der Pandemie inzwischen für einen wichtigeren Schwerpunkt. Besonders ausgeprägt ist diese Überzeugung in Europa, wo 62 Prozent der Anleger nachhaltigem Investieren mittlerweile größere Bedeutung beimessen.
Zugleich gaben nur 8 Prozent der Investoren weltweit an, dass sie nicht an die Vorteile nachhaltigen Investierens glauben – deutlich weniger als 2018, als dies noch auf 23 Prozent zutraf.

„Wegen Covid-19 bemühen sich Investoren verstärkt darum, einen möglichst nachhaltigen Einsatz ihrer Vermögenswerte sicherzustellen. Die Weltwirtschaft hat noch einen weiten Weg vor sich, um wieder das Niveau von vor der Pandemie zu erreichen. Aber: Sicherzustellen, dass die Erholung nachhaltig ausgestaltet wird, ist für viele inzwischen ein sehr wichtiges Ziel“, sagt Howard.

Greenwashing und mangelnde Transparenz die größten Sorge

Nach Ansicht der Investoren gibt es allerdings weiter Herausforderungen beim nachhaltigen Investieren. Greenwashing stellt für sie nach wie vor das größte Problem dar und wurde von 59 Prozent als bedeutendstes Hindernis genannt. Damit ergibt sich nahezu keine Veränderung gegenüber dem im Vorjahr, gemessenen Wert von 60 Prozent.

Außerdem hegen 46 Prozent der weltweiten Investoren Zweifel, ob sich mit nachhaltigem Investieren verbundene Risiken messen und steuern lassen – eine deutliche Zunahme gegenüber 33 Prozent im Jahr 2020. Mangelnde Transparenz gilt ebenfalls zunehmend als Schwierigkeit und wurde von 53 Prozent der Anleger genannt. Hier gelte es laut Howard anzusetzen: „Für Investoren gibt es sicherlich noch viel zu tun, um diesen Wandel zu unterstützen. Wir müssen dafür sorgen, dass Bedenken oder Schwierigkeiten, die unsere Kunden vielleicht in Bezug auf nachhaltiges Investieren haben oder sehen, durch immer besseres Reporting und Informationsbereitstellung vollständig ausgeräumt werden.“

Positiver Renditeausblick auf 2021

Die Investoren richten ihren Blick allmählich auf die Zeit nach der Pandemie: Die Renditeerwartungen sind in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. 82 Prozent von ihnen erwarten in den kommenden fünf Jahren eine Rendite von mindestens 4 Prozent pro Jahr. Vor einem Jahr hatten 72 Prozent diese Erwartung.

47 Prozent der Investoren rechnen sogar mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mehr als 6 Prozent, verglichen mit 35 Prozent vor einem Jahr. Und auch der Anteil der Investoren weltweit, die jährliche Renditen von über 9 Prozent erwarten, hat sich von 5 Prozent in 2020 auf 13 Prozent in 2021 erhöht.

Die Pandemie und die Verlangsamung der Weltwirtschaft bereiten den Investoren weiterhin am meisten Sorgen. „Covid-19 wird immer noch als größter Einflussfaktor für die Portfolio-Performance angesehen. Gegenüber dem Vorjahr hat es hier jedoch einen deutlichen Rückgang gegeben“, erläutert Keith Wade, Chefvolkswirt bei Schroders.

Angesichts zunehmender Inflationsängste sind viele aber auch wegen einer möglichen Verschärfung der Geldpolitik beunruhigt und sehen in einer Erhöhung der Fremdkapitalkosten ein erhebliches Risiko. „Die Investoren machen sich allmählich Sorgen über einen Entzug von Liquidität durch eine Verschärfung der Geldpolitik. Darin kommen wahrscheinlich Inflationsängste zum Ausdruck, wenngleich die Erwartung besteht, dass die äußerst niedrigen Zinssätze erhalten bleiben werden“, so Wade.

Weitere zunehmend bedeutsame Einflussfaktoren seien die Regulierung und der Klimawandel, worin sich zweifellos die Agenda der neuen US-Regierung unter Präsident Biden, aber auch von China und der EU ergriffene Maßnahmen widerspiegeln.