Nachhaltige Unternehmensführung ESG wird zum Value-Faktor

Warum die klassische Unterscheidung zwischen Value- und Growth-Aktien heute nicht mehr zeitgemäß ist und konsequent nachhaltige Investitionen langfristig erfolgreicher sind, analysiert Vermögensverwalter Uwe Wiesner von der Hansen & Heinrich AG.

05.08.2021, aktualisiert 13.08.2021 - 09:2513.08.21 - 09:25
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Windräder auf einem Kohlfeld in Schleswig-Holstein
Windräder auf einem Kohlfeld in Schleswig-Holstein: Die Produzenten erneuerbarer Energien haben bessere Zukunftsaussichten als die Förderer fossiler Brennstoffe © IMAGO / blickwinkel

Für den dauerhaften Erfolg einer Investition ist heute nicht mehr die klassische Unterscheidung zwischen Value- und Growth-Aktien anhand von quantitativen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, der Dividendenrendite und Wachstumsraten entscheidend – sondern ein 360-Grad Blick für die Bewertung der Qualität von Unternehmen entscheidend. Dafür sind vor allem folgende Aspekte von großer Bedeutung:

  1. Anleger sollten vorrangig in Unternehmen mit Zukunftspotenzial investieren. Die Wachstums- und Ertragsaussichten eines Biotechunternehmens, das die mRNA-Technologie verwendet, sind beispielsweise deutlich größer als die von traditionellen Pharmaherstellern. Ebenso erscheinen die Zukunftsaussichten von Produzenten erneuerbarer Energien besser als die von Förderern fossiler Brennstoffe – unabhängig von der Bewertung. Darüber hinaus ist es wesentlich, dass die Unternehmen in einem Segment mit hohen Eintrittsbarrieren oder mit Alleinstellungsmerkmalen tätig sind.
  2. Eine ESG-konforme Unternehmensführung kristallisiert sich immer mehr als zentrales Kriterium für den langfristigen Erfolg einer Firma heraus. Nur Unternehmen, die eine nachhaltige und soziale Führung entsprechend der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen verinnerlicht haben, diese kommunizieren und leben, werden dauerhaft Erfolg haben. Positive Beispiele sind das deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen Merck, der Schweizer Hörsystemehersteller Sonova und der deutsche Chipausrüster Aixtron.
  3. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass die bilanzielle Qualität, also zum Beispiel hohes Eigenkapital und eine geringe Verschuldung, Grundvoraussetzung für dauerhaften Erfolg ist. Nur mit einer starken Bilanz können die Aufwendungen für Forschung, Weiterentwicklung und Marktanteilsgewinne gesichert werden.
  4. Ein weiteres Erfolgskriterium von Unternehmen ist eine breite, über verschiedene Region angesiedelte Kundenbasis. Der Erfolg des Luxusgüterherstellers LVMH oder des Kosmetikimperiums L'Oréal ist auch der Tatsache geschuldet, dass beide Unternehmen in Asien stark positioniert sind. Überwiegend in Europa vertretene Hersteller in ähnlichen Branchen wie Boss oder Henkel haben das Nachsehen. Allgemein gilt: Je breiter und überregional gestreut die Kundenbasis ist, desto größer sind die langfristigen Erfolgsaussichten.

Für Investoren ergeben sich daraus folgende Tendenzen: Branchen wie Tourismus, Luftfahrt, Kohle und Stahl sind eher zu meiden. Investitionen in Unternehmen aus den Branchen Chemie, Automobilwirtschaft, Bergbau und Bau sollten besonders gründlich auf Nachhaltigkeit geprüft werden. Unternehmen aus Sektoren wie Gesundheit, Technologie, grüne Industrien und Nahrung sollten tendenziell bevorzugt werden.

Des Weiteren sollten Anleger bei allen zukünftigen Investitionen auf eine strikte ESG-Orientierung achten. Eine Möglichkeit dazu sind Investitionen in nachhaltige Fonds wie zum Beispiel den ÖkoWorld ÖkoVision Classic A (ISIN: LU0551476806). Aber auch Einzelaktien von Unternehmen wie dem dänischen Energiekonzern Orsted, dem Schweizer Hörsystemehersteller Sonova oder dem US-Wasserversorgungsunternehmen American Water Works können langfristig Chancen bieten.

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