Rohstoffe statt ESGTotgeglaubte Klassiker führen Hitlisten an

Bei der Fußball-Europameisterschaft liegt die Vorrunde hinter uns und an den Aktienmärkten neigt sich das erste Halbjahr dem Ende entgegen. Eine erste Bilanz zeigt, dass durch die konjunkturelle Erholung Öl und Gas wieder in den Fokus der Investoren gerückt sind, sagt Philipp van Hove, Portfoliomanager bei Signal Iduna AM.

28.06.2021 - 13:45 Uhr28.06.21 13:45
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Händlerin an der Frankfurter Börse
Händlerin an der Frankfurter Börse: Papiere aus den Branchen Öl und Gas sowie Bankentitel steigen in der Gunst vieler Investoren© IMAGO / Xinhua

Betrachtet man die marktbreiten Kursindizes für die USA, Japan und Europa (S&P 500, Nikkei 225 und STOXX Europe 600), hat Europa erstmals seit mehr als zehn Jahren im globalen Wettbewerb wieder die Nase vorn.

Risikoappetit ist zurück

„Entgegen den Prognosen verloren Papiere aus den nachhaltigen Branchen teilweise an Boden“, sagt Philipp van Hove, Portfoliomanager bei Signal Iduna AM. „Im Zuge der konjunkturellen Erholung und der derzeit steigenden Inflationserwartungen führen totgeglaubte Klassiker aus den Branchen Öl, Gas sowie Banken die Hitlisten an.“ Während der S&P Oil & Gas Exploration & Production um 68 Prozent zulegte, büßte der S&P Global Clean Energy 18 Prozent ein.

„Ursächlich für die weltweit steigenden Kurse ist der Risikoappetit, der in dem Maße zurückgekehrt ist, in dem die Belastungsfaktoren weggefallen sind“, erklärt van Hove.

Grund zur Freude?

„Natürlich gibt es genug Dinge, über die wir uns freuen könnten“, so van Hove. Die Gretchenfrage allerdings ist: Wie viel von diesem Umfeld hat der Markt bereits eingepreist, beziehungsweise wovon könnten Anleger in den kommenden Wochen noch positiv oder negativ überrascht werden? „Uns fallen kaum noch mögliche positive Überraschungen ein. Steigende Impfzahlen, Konsum und Gewinne sowie die Unterstützung der Notenbanken gehören dieser Tage zum Standardrepertoire eines Analysten“, erklärt van Hove.

Bei den möglichen negativen Überraschungen bietet sich der Fantasie hingegen mehr Spielraum: Wie reagieren die Märkte auf ein erstes „Tapering“ der Notenbanken? Sind die Konsumeffekte einmalige Nachholeffekte? Und nicht zu vergessen: Sind die Impfstoffe den künftigen Mutationen des Virus gewachsen?

Korrekturen in Sicht

Dass sich Anleger um derartige Ereignisse mehr Gedanken machen sollten, lässt sich an Stimmungsindikatoren, aber auch aus den Put-Call-Ratios am Optionsmarkt ablesen, die die herrschende Sorglosigkeit widerspiegeln.

Hinzu kommt, dass eine wachsende Zahl neuer Investoren vergleichsweise viel Volumen in einzelnen Papieren bewegt. Smartphone-Apps und günstige Handelskonditionen laden dazu ein, einzelne Aktien, aber auch Optionen zu kaufen. „Im Laufe des Jahres wird sich zeigen, wie stabil diese neue Nachfrage bleibt, falls die Märkte erneut abtauchen sollten“, erklärt van Hove.

„In jedem Fall gehen wir davon aus, dass sich die Rally nicht im bisherigen Ausmaß fortsetzen wird“, ergänzt der Portfoliomanager. Stattdessen dürften Anleger, je näher 2022 rückt, mit einer steigenden Rückschlagsgefahr rechnen. Nicht zuletzt, da dann die von der Fed ins Auge gefassten Zinserhöhungen in greifbarere Nähe rücken. „Je nach Ausmaß der Korrekturen könnten sich dann aber auch neue Kaufgelegenheiten ergeben“, sagt van Hove.

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