Experten-Interview„Gold befindet sich auf dem Weg in einen Bullenzyklus“

Der Goldpreis kennt seit Jahresbeginn nur eine Richtung: Nach oben. Aktuell decken sich Fonds und Zentralbanken mit dem beliebten Edelmetall ein. Dabei steht immer eine Frage im Raum: Wie lange wird die Gold-Hausse diesmal dauern? Multiasset.com hat bei Joachim Berlenbach, Gründer und Gesellschafter der Earth Resource Investment Group, nachgefragt.

03.03.2016 - 11:20 Uhr03.03.16 11:20
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Joachim Berlenbach erklärt, welche Chancen Anleger derzeit am Goldmarkt haben.
Joachim Berlenbach erklärt, welche Chancen Anleger derzeit am Goldmarkt haben.

der fonds: Herr Berlenbach, der Goldpreis ist dieses Jahr stark gestiegen. Wie kam es dazu?

Joachim Berlenbach: Die globale wirtschaftliche Lage scheint sich momentan in eine besorgniserregende Richtung zu bewegen: die Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum, einschließlich China und den USA, werden nach unten revidiert, Bankzinsen und Zinsen für Staatsanleihen befinden sich im negativen Bereich. Trotz massiver Eingriffe der Zentralbanken bleiben Deflationsängste bestehen und für viele wichtige Aktienklassen werden negative Renditen vorausgesagt. Hinzu kommt, dass auch die geopolitische Lage zunehmend düsterer wird, eine Lösung für die europäische Flüchtlingskrise ist nicht zu sehen, der Islamische Staat treibt sein archaisches Unwesen im Mittleren Osten und der Syrien-Konflikt spitzt sich zu.

Kurzum: nach vielen Jahren eines freudigen Feuerwerkes in den Aktienmärkten mit Rekorderträgen steuern Anleger jetzt in eine undurchdringliche Nebelsuppe hinein, die Gefahren und Unsicherheiten mit sich bringt. Auf der Suche nach einer alternativen Anlageklasse, die auch positive Renditen abwerfen kann, scheint das von vielen Anlegern tot geglaubte Gold wieder zu leuchten.

Dazu kommt, dass der niedrige Goldpreis über die letzten Jahre zu radikalen Einschnitten vor allem bei der Exploration und der Investition in neue Minenprojekte geführt hat. Dies dürfte bereits 2016 zu einer fallenden Goldproduktion führen, was wiederum angesichts einer steigenden Goldnachfrage einen Anstieg des Preises für das Edelmetall zusätzlich fördern könnte. Angesichts weniger attraktiver Anlagemöglichkeiten und einem Nullzinsumfeld erfüllt das gelbe Edelmetall nun anscheinend wieder seinen Zweck als sicherer Hafen.

Wie sollten sich Anleger jetzt verhalten?

Berlenbach: Nach dem fünf Jahre andauernden Absturz des Goldpreises von über 1.800 US-Dollar je Unze auf unter 1.100 US-Dollar hat der Goldpreis über die letzten Monate eine zögerliche Wiederbelebung erfahren. Seit Beginn des Jahres stieg der Preis bis Ende Februar um 16 Prozent, was angesichts der einstigen Höchstkurse kaum ins Gewicht fällt. Vieles spricht allerdings dafür, dass Gold sich in der ersten Phase eines neuen Bullenzyklus befindet. Für Anleger, die nicht an eine schnelle Erholung der aktuellen Baisse glauben und eine alternative Anlagemöglichkeit suchen, lohnt sich also ein Einstieg in den Goldmarkt auf alle Fälle noch.

Da sich die Risikoprofile auch von Goldanlegern deutlich unterscheiden, gibt es für Anleger die Möglichkeit, entweder in physisches Gold zu investieren, oder aber in die volatileren, aber stark gehebelten Gold-Aktien, die bei einem weiteren Anstieg ein vielfaches der Rendite des unterliegenden Edelmetalls abwerfen können. Auch ein Einstieg in Silber beziehungsweise Silber-Aktien kann das Edelmetallportfolio diversifizieren.