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Michael Varga, Portfolio Manager Rohstoffe bei Swisscanto Invest

ANZEIGE Experten-Interview Swisscanto Invest „Die Angebotsverknappung allein reicht nicht aus!“

Die Einigung der OPEC-Staaten auf eine Öl-Förderkürzung ließ Investoren aufatmen. Michael Varga, Portfolio Manager Rohstoffe bei Swisscanto Invest, erläutert im Interview, warum er trotzdem nicht an eine Kehrtwende durch die Drosselung glaubt.

25.07.2017 - 12:08 Uhr | in Swisscanto Invest

der fonds: Die Überversorgung des Weltmarkts mit Rohöl ist momentan das Hauptthema bei Ölinvestoren. Wird es der OPEC gelingen, mit ihrer Strategie einer geringeren Förderung eine Änderung einzuläuten?

Michael Varga: Die künstliche Produktionsverknappung der OPEC-Länder ist ein zentraler Punkt für unsere Erdöl-Preiserwartungen in den nächsten Monaten. Wir rechnen ab dem dritten Quartal 2017 mit einer schrittweisen Verbesserung der Angebots- und Nachfragesituation im Rohölbereich, was die Lagerbestände reduzieren wird. Die Produktion von US-Schieferöl wird aufgrund der vermehrten Wieder-Inbetriebnahme von Öl-Bohrtürmen in diesem und vor allem im kommenden Jahr stark ansteigen. Die Preisentwicklung von Rohöl hängt daher maßgeblich davon ab, wie einerseits die Angebotsverknappung der OPEC und andererseits das Wachstum der US-Schieferölproduktion interagieren werden.

Insgesamt erwarten wir nicht, dass die OPEC mit ihrer Vorgehensweise eine Kehrtwende bewirken kann. Doch klar ist: Die Drosselung ist nötig, um die aktuellen Ölpreise zu rechtfertigen. Daher gehen wir davon aus, dass die OPEC die Verknappung auch im nächsten Jahr fortsetzen wird. Andernfalls würde sich das Angebot stärker als die Nachfrage ausweiten, was zu deutlich tieferen Erdölpreisen führen würde.

Der Swisscanto (LU) Equity Fund Global Energy richtet sich insbesondere an Anleger, die im Energiebereich mittel- und langfristig eine steigende Nachfrage und höhere Preise erwarten. Wie passt das mit dem niedrigen Ölpreis zusammen? Können Anleger in diesem Umfeld überhaupt noch profitieren?

Varga: Der Haupttreiber für den aktuellen Rohölpreis um 50 US-Dollar pro Barrel ist die US-Schieferölproduktion. Diese kann jedoch auf diesem Preisniveau in einigen Jahren aufgrund der Abbauraten und des Nachfragewachstums nicht mehr produzieren. Das heißt, es werden mittelfristig höhere Rohölpreise nötig sein, um zusätzliche Investitionen auf der Angebotsseite anzukurbeln.

Wir erwarten, dass Energieaktien trotz des schlechten ersten Halbjahres mittelfristig wieder profitieren werden, sofern sich die Rohölpreise weiter normalisieren. Die unerwartet starken Kurskorrekturen seit Anfang des Jahres im US-Energiebereich haben wieder zu einem attraktiveren Bewertungsniveau geführt, vor allem im Explorations- und Fördersegment. Energieaktien haben mit diesen Kursrückgängen einiges an Skepsis an der Preisnormalisierung von Rohöl eingepreist. Die Preiserholung wird volatiler sein und aufgrund der Dynamik und Produktivität der US-Schieferölproduktion länger dauern. Die Bewertungen von Energieaktien sind – sofern sich die Rohölpreise wie von uns erwartet  weiter normalisieren – wieder attraktiver.