Experten uneinig Stagflation: Aufziehender Sturm oder heiße Luft?

Stagflation – ein unheilvolles Wort, das derzeit immer häufiger durch die Branche hallt. Doch wie wahrscheinlich ist es tatsächlich, dass eine wirtschaftliche Stagnation mit hoher Inflation zusammenfällt? Unter Marktexperten herrscht keine Einigkeit.

15.08.2016, aktualisiert 17.08.2016 - 15:0917.08.16 - 15:09
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Mit der Brexit-Entscheidung gerieten die Märkte in heftige Turbulenzen. Am Tag nach dem Referendum fiel das Britische Pfund auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren, der Deutsche Aktienindex Dax verlor fast zehn Prozent und auch die Börsen in Paris, Wien und Lissabon wurden erschüttert – die größten Verluste seit 2008, als die Lehman-Krise die Märkte in den Abgrund riss.

Inzwischen haben sich die Gemüter abgekühlt. Der Dax klettert wieder nach oben, der vom Beratungsunternehmen Sentix gemessene Konjunkturindex für die Eurozone stieg im August von 1,7 auf 4,2 Punkte, die Kurse in London profitieren vom gefallenen Pfund.

„Eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale“

Ist Aufatmen gerechtfertigt? Oder Ist die Erholung nur kurzfristig? Die Meinungen darüber, wie wahrscheinlich die Szenarien einer Stagflation sind, gehen auch unter Experten weit auseinander.

Eine recht düsterere Zukunft prophezeien die Experten von Schroders. Für sie deuten alle Zeichen auf eine drohende Stagflation, die durch eine „sich selbst verstärkende Abwärtsspirale“ aus Unsicherheit und dem daraus resultierenden Anlage- und Konsumverhalten verursacht wird. Dies gelte vor allem für Großbritannien. Denn: Die Unsicherheit erzeuge einen Dominoeffekt, bei dem sich Unternehmen wie Konsumenten aus Sorge über die abkühlende Wirtschaft zurückzögen und so die Wirtschaft weiter schwächten.

Sorgen sind offenbar alles andere als unbegründet: Der Binnenmarkt garantierte bislang Zollfreiheit, freien Dienstleistungsverkehr sowie freien Kapitalverkehr. Der Export in andere EU-Staaten machte laut Statista im Jahr 2014 über 43 Prozent der britischen Gesamtausfuhren aus – die Bedingungen für diese werden nun neu ausgehandelt werden müssen.