EZB-Direktorin zu Geldpolitik und Banken Zeit für deutliche Worte

EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger fordert eine Abkehr von der expansiven Geldpolitik. Angesichts immer schwächerer positiver Effekte müsse der Ausstieg vorbereitet werden. Die aktuellen Inflationszahlen geben ihr Recht.

31.07.2017 - 11:2131.07.17 - 12:09
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Sabine Lautenschläger: Die Juristin ist stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht
Sabine Lautenschläger: Die Juristin ist stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht© Getty Images

„Whatever it takes.“ Vor fünf Jahren rettete Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, mit seinen legendären Worten den Zusammenhalt der Eurozone. Fünf Jahre später wird der Euroraum immer noch mit Geld geflutet. Erst ab Herbst soll über die Zukunft der Anleihenkäufe von derzeit 60 Milliarden Euro monatlich beraten werden. Experten rätseln, wann die Entscheidung konkret fallen könnte. Offenbar erst später als gedacht – denn es meldet sich Widerstand aus den eigenen Reihen.

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger fordert in einem Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ vehement eine Abkehr von der expansiven Geldpolitik. Die Inflation sei weiterhin schwach, die positive Wirkung der extrem lockeren Geldpolitik würde sich immer weniger zeigen, die Risiken hingegen würden zunehmen, so Lautenschläger, die zur sechsköpfigen EZB-Führungsspitze gehört. „Es ist also wichtig, den Ausstieg rechtzeitig vorzubereiten“, mahnt sie.

Komme die EZB ihrem Ziel eines Inflationstrends von knapp unter zwei Prozent stetig näher, sei die EZB in der Pflicht zu handeln. „Noch ist er nicht ganz da“, sagte Lautenschläger. Trotzdem sei das Thema anzugehen: „Wie soll die Rückkehr zu einer normalen Geldpolitik gestaltet werden? In welchem zeitlichen Rahmen, mit welchen Instrumenten in welcher Abfolge? In welchen Schritten und wann fahren wir die Anleihekäufe zurück?“

Zu viele Banken in Deutschland

Zugleich ruft Lautenschläger die deutsche Finanzbranche zur Konsolidierung auf: Deutschland habe mit rund 1.600 Banken „eigentlich zu viele", so die EZB-Direktorin, die auch stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht ist: „Konsolidierung ist notwendig.“