Finanzexperten zur Wahl in Italien„Wir erwarten keine heftigen Reaktionen“

Bei der Parlamentswahl am 4. März in Italien könnte es eine Mehrheit für europaskeptische Parteien geben. Ebenfalls denkbar: ein politisches Patt. Den Prognosen zufolge sind keine klaren Mehrheiten zu erwarten. Fünf Branchenexperten schätzen die möglichen Auswirkungen der Wahl auf die Kapitalmärkte ab.

01.03.2018 - 14:54 Uhr01.03.18 14:54
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Wahlplakate in Mailand: „Die Wähler trauen sich nicht, Veränderung zu wählen, weil sie Angst haben“
Wahlplakate in Mailand: „Die Wähler trauen sich nicht, Veränderung zu wählen, weil sie Angst haben“© Getty Images

„Am wahrscheinlichsten erscheint ein Wahlausgang, der zu keinen klaren Mehrheiten führt“

„Entscheidend ist, dass die wirklich euro- bzw. europafeindlichen Kräfte in Italien nicht in Regierungsverantwortung kommen – wozu es kaum kommen dürfte. Umso mehr Einfluss europaskeptische Parteien künftig bekommen, desto schwieriger wird Italiens Verhältnis zur EU werden. Am wahrscheinlichsten erscheint ein Wahlausgang, der zu keinen klaren Mehrheiten führt. Da viele Marktteilnehmer bereits damit rechnen, gibt es beispielsweise weniger Absicherungen gegen einen schwächeren Euro als vor der Frankreich-Wahl im Vorjahr. Unser Hauptszenario für die nächsten Monate geht nicht von mehr politisch bedingten Marktschwankungen aus. Vielmehr dürfte die Unsicherheit über den weiteren Inflations- und Renditetrend an den Anleihemärkten für mehr Volatilität als etwa in der zweiten Jahreshälfte 2017 sorgen.”

Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck Privatbankiers

 

„Auf kurze Sicht ist das Aufwärtspotenzial italienischer Staatsanleihen begrenzt“

„Bei den italienischen Parlamentswahlen am 4. März wird es wohl keinen klaren Sieger geben. Das neue Wahlsystem könnte zudem dafür sorgen, dass eine sehr breite Koalition, auch über Parteigrenzen hinweg, gebildet werden muss. Aus unserer Sicht ist ein marktfreundlicher Ausgang der Wahl das wahrscheinlichste Szenario. Dabei ist ein Bündnis aus den größten Parteien, also der Demokratischen Partei, der Forza Italia und der Fünf-Sterne-Bewegung, die nächstliegende Variante. Letztere ist mittlerweile einer Beteiligung an einer breiten Koalition weniger abgeneigt, als der Markt zurzeit vermutet. Damit sinkt auch die Gefahr einer von Populisten geführten Regierung und die Chancen für eine verantwortlichere Lösung im Sinne des Landes steigen.

Dagegen eher unwahrscheinlich sind die für die Märkte günstigsten Konstellationen: eine Allianz aus Forza Italia und Demokratischer Partei beziehungsweise eine Mitte-Links-Koalition. Auf kurze Sicht ist damit das Aufwärtspotenzial italienischer Staatsanleihen begrenzt. Zudem bleibt abzuwarten, ob sich die Fünf-Sterne-Bewegung vom reinen Populismus verabschiedet. ”