Aktiv versus passiv Fonds mit Spitzenrating übertreffen ETFs

Welche Schlüsse lassen sich aus Ratings für den künftigen Erfolg eines Investmentfonds ziehen? Dieser Frage sind Scope-Analysten nachgegangen – und kamen zu einem überraschenden Ergebnis.

17.01.2022 - 14:0018.01.22 - 09:42
|
|
in  News
|
Tourist
Tourist:innen tummeln sich vor der Frankfurter Börse: Aktiv gemangte Fonds mit Top-Rating können ETFs das Wasser reichen© Imago Images / Zoonar

Ratings aktiv gemanagter Fonds basieren natürlich im Wesentlichen auf zurückliegenden Leistungen von Portfoliomanagern. „Sie können aber auch ein guter Indikator für künftige Erfolgsaussichten eines Produkts sein", erläutert Barbara Claus, Analystin bei Scope.

Sie und ihr Team bei der Fonds-Ratingagentur haben untersucht, wie aussagekräftig Spitzenratings in Bezug auf die künftige Entwicklung tatsächlich sind. Das Ergebnis: Aktiv gemanagte Fonds konnten sowohl drei als auch fünf Jahre nach Erhalt ihres Top-Ratings eine teils deutlich höhere Rendite erzielen als die breiten Aktien- oder Anleihemärkte, die von ETFs abgebildet werden.

Aktive vs. passive Fonds: So wurde analysiert

Um die Kapitalmärkte möglichst breit abzudecken, betrachteten die Analysten neun Anlagesegmente. Auf der Aktienseite waren es die fünf Anlageregionen Nordamerika, Europa, Japan, Asien-Pazifik ex Japan und die Schwellenländer. Im Anleihebereiche wurden die vier Kategorien Renten Euro, Renten Euro Global, Renten Emerging Markets Hartwährung und Renten Emerging Markets Lokalwährung betrachtet.

Für die Untersuchung wurden aus jeder Vergleichsgruppe jeweils die drei Fonds mit den höchsten Rating-Punktzahlen vor drei und vor fünf Jahren ausgewählt. Daraus konstruierten die Analysten ein Portfolio aus Aktien- und eines aus Rentenfonds. Die Fonds wurden so gewichtet, dass ihre Verteilung den Standard-Benchmarks MSCI AC World Index (Aktien) und Bloomberg Euro Aggregate Bond Index (Anleihen) entspricht. Als Vergleichsmaßstab dienten ETFs.

Aktive Fonds stärker als passive Produkte

Besonders auffällig ist das Bild auf der Aktienseite über einen Zeitraum von drei Jahren. Das Portfolio aus den am besten bewerteten aktiven Fonds konnte gegenüber dem ETF auf den MSCI AC World Index im Schnitt eine Outperformance von 2,7 Prozentpunkten pro Jahr erzielen. Auf Sicht von fünf Jahren waren es immerhin 1,2 Prozentpunkte jährlich (siehe Abbildung 1).

Abb. 1: Fünf-Jahres-Performance Aktienfonds

Grafik vergrößern (Quelle: Scope)

Auf der Anleiheseite fiel die Outperformance nicht so üppig aus. Gegenüber globalen Renten-ETFs waren die am besten bewerteten aktiv gemanagten Rentenfonds auf Sicht von drei Jahren um 0,8 Prozentpunkte pro Jahr besser, auf Fünf-Jahres-Sicht um 0,3 Prozentpunkte (siehe Abbildung 2).

Abb. 2: Fünf-Jahres-Performance Rentenfonds

Grafik vergrößern (Quelle: Scope)

Ein ausgewogenes Portfolio bestehend zu jeweils 50 Prozent aus aktiv gemangten Aktien- und Rentenfonds mit Spitzenrating konnte gegenüber einem entsprechenden ETF-Mix über drei Jahre einen Mehrertrag von 1,6 Prozentpunkten liefern. Auf Sicht von fünf Jahren hatten die aktiven Fonds ebenfalls die Nase vorne und waren um 0,7 Prozentpunkte besser (siehe Abbildung 3).

Abb. 3: Fünf-Jahres-Performance Mischfonds

Grafik vergrößern (Quelle: Scope)

Eine rosige Zukunft?

„Mit diesem Ergebnis können aktiv gemanagte Fonds, die wegen ihrer teils hohen Gebühren unter Rechtfertigungsdruck stehen, an dieser Stelle einen Punktsieg gegen passive Anlageprodukte erringen – zumindest einige", fasst Scope zusammen. Fonds, die ein Spitzenrating erhalten haben, dürften der Auswertung zufolge eine höhere Chance haben, auch künftig den breiten Markt übertreffen zu können.