Riesig und vielfältig Fünf Gründe für Hochzinsanleihen

Verbesserte Kreditqualität und höhere Rendite: Im US-Hochzins-Markt ist eine Menge Bewegung. Peter Becker, Investmentdirektor Anleihen bei der Capital Group, erläutert, warum die kürzere Duration von Hochzinsanleihen für einen gewissen Schutz sorgen könnte, wenn die Zinsen steigen.

11.06.2021, aktualisiert 22.06.2021 - 09:2622.06.21 - 09:26
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Engelsbrücke in Rom
Engelsbrücke in Rom: Zahlreiche frühere Investment-Grade-Emittenten wurden auf Hochzins-Niveau herabgestuft, sind also sogenannte „Fallen Angels“© IMAGO / imagebroker/giovannini

Die Zinsen steigen, die Risikoaufschläge sind eng wie nie und die Konjunktur erholt sich. Das wirkt sich auch auf den US-Hochzinsmarkt aus. Peter Becker, Investmentdirektor Anleihen bei der Capital Group, nennt fünf Gründe, die derzeit für diese Assetklasse sprechen:

  1. Verbesserte Kreditqualität

„Die Kreditqualität von Hochzinsanleihen verbessert sich bereits seit langem“, so Becker. 2019 habe diese Entwicklung weiter an Fahrt aufgenommen. Mittlerweile haben die Hälfte aller Emittenten ein BB-Rating, das bestmögliche Rating für Hochzinsanleihen. Vor knapp 20 Jahren lag dieser Anteil bei gerade einmal einem Drittel. Bei Investment-Grade-Anleihen ist eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten: Mehr als die Hälfte habe nur noch ein BBB-Rating, das niedrigste Investment-Grade-Rating.

Viele der früheren Investment-Grade-Emittenten wurden auf Hochzins-Niveau herabgestuft, sind also sogenannte „Fallen Angels“. Allerdings wurden nur wenige Hochzins-Titel zu Investment-Grade-Werten heraufgestuft, den sogenannten „Rising Stars“. „Für Hochzins-Investoren ergeben sich aus dieser Situation neue Chancen“, erklärt Becker. Die Märkte nähern sich an. Die Qualität von Hochzinsanleihen verbessert sich, die von Investment-Grade-Titeln hingegen geht zurück.

  1. Weniger Zahlungsausfälle

Vor der Corona-Pandemie wurden nur sehr wenige Hochzinsanleihen nicht bedient: „Seit dem Höchststand von 14 Prozent während der internationalen Finanzkrise lagen die jährlichen Ausfälle meist unter dem Durchschnitt von ungefähr 3 Prozent“, analysiert Becker. Lediglich 2015/16 kam es nach dem Ölpreiseinbruch zu vielen Ausfällen im Energiesektor.

2020 sind die Ausfallquoten zwar gestiegen, doch die Erholung hat bereits begonnen. Das liegt zum einen an der verbesserten durchschnittlichen Kreditqualität, zum anderen hat die Federal Reserve (Fed) mit ihren Anleihenkäufen den Markt gestützt und stabilisiert. Selbst Emittenten, die besonders stark vom Lockdown betroffen waren, konnten fällige Anleihen zu akzeptablen Zinsen refinanzieren und neue Titel begeben, um das Geschäft aufrechtzuerhalten.

  1. Risikoaufschläge sprechen für bessere Konjunktur

„Gerade im Aufschwung und bei starkem Wachstum könnten Investoren mit Hochzinsanleihen besonders viel verdienen“, sagt Becker. Genau das steht jetzt wieder in Aussicht: Finanzstärkere Emittenten, die ihre Kapazitäten ausbauen wollen, könnten sich am Markt refinanzieren oder Kapital für zusätzliche Investoren einwerben.

Besonders gut für Hochzinsanleihen sind oftmals die Zeiten unmittelbar nach einem Konjunkturtief. Nach der Rally im vergangenen Jahr ist die Durchschnittsrendite von Hochzinsanleihen mit etwa 4 Prozent zwar jetzt nur noch wenig von ihrem Allzeittief entfernt. Nicht zuletzt, da die Kurse die starke konjunkturelle Erholung reflektieren. „Daher ist die Aussicht auf 4 Prozent Rendite bei niedrigen Zahlungsausfällen derzeit alles andere als gering“, sagt der Experte.

  1. Vielfältigerer Markt

Viele strukturelle Veränderungen haben dafür gesorgt, dass der Hochzins-Markt heute anders ist als in den 1980ern – als dieser sich entwickelte. Insbesondere die Sektorvielfalt ist heutzutage sehr viel größer. „Noch immer stellen Telekommunikations- und Medienwerte einen Großteil der Anleihen, aber ihre Dominanz ist vorbei“, so Becker.

Sowohl konjunktursensitivere Sektoren wie Einzelhandel, Reisen und Grundstoffe als auch weniger konjunktursensitive wie Gesundheit nehmen nun einen größeren Marktanteil ein. Die Zeit mit einem oder zwei dominierenden Branchen ist vorbei: Heutzutage bildet der Hochzins-Markt die gesamte US-Wirtschaft ab.

  1. Kurze Duration

„Im Schnitt haben Hochzinsanleihen eine Duration von vier Jahren – halb so lang wie bei Investmentgrade-Titeln,“ sagt Becker. Demnach begeben Hochzins-Emittenten kürzer laufende Papiere, weil sie ein niedriges Rating haben und das Interesse vieler Anleger an längeren Laufzeiten gering ist.

Aufgrund ihrer kürzeren Duration sind Hochzinsanleihen unabhängiger vom Zinsanstieg, der typisch für Zeiten mit einem hohen Wirtschaftswachstum ist. „Allein dadurch sind Hochzinsanleihen gegenüber anderen Marktsegmenten im Vorteil“, so Becker. Wer sein Anleiheportfolio mit Hochzinsanleihen ergänzt, verringert die Duration und hat Aussichten auf Kursgewinne, wenn die Wirtschaft anzieht.