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Immer älter aber nicht wohlhabender

09.08.2017 09:48 Uhr | Von: 

Alle wissen, was zu tun ist

„Wir investieren nicht genug, sparen nicht genug, handeln nicht genug, bilden zu wenig aus. Was soll man da erwarten? So entsteht keinesfalls ausreichendes Wachstum”, beklagt Alberto Ramos, Goldman-Sachs-Chefvolkswirt für Lateinamerika. „Dabei ist eigentlich alles ganz einfach. Wir wissen, was zu tun ist, aber ich glaube nicht, dass wir es schaffen, die nötigen Maßnahmen umzusetzen. Dadurch wird die Region aber Jahrzehnt um Jahrzehnt verlieren und weiter zurückfallen.“

Auch der IWF ist alarmiert. „Lateinamerikas Pro-Kopf-Wachstum wird sich mittelfristig nur auf 1,6 Prozent belaufen – und verharrt damit deutlich unter dem Wert von 2,6 Prozent, der für ein nachhaltiges Wachstum von Schwellenländern eigentlich nötig ist“, stellt Alejandro Werner, IWF-Spezialist für Lateinamerika, fest und ergänzt: „Diese aktuellen Wachstumsraten entsprechen beunruhigenderweise den dürftigen Zuwächsen von Industrieländern.“

Immerhin gibt es für die UN-Wirtschaftskommission mit Sitz in Santiago de Chile Anlass, die Entwicklung im laufenden Jahr 2017 mit vorsichtigem Optimismus einzuschätzen. Einer der Gründe: Die Preise für Rohstoffe wie Öl und Kupfer dürften angesichts eines anziehenden Weltwirtschaftswachstums leicht ansteigen. Der IWF hat für 2017 3,5 Prozent und 3,6 Prozent im kommenden Jahr 2018 prognostiziert.

Shelly Shetty, Lateinamerika-Spezialistin bei Fitch Ratings, sieht ebenfalls Grund für Hoffnung: „Die Länder der Region haben Fortschritte bei der makroökonomischen Stabilität gemacht und wissen genau, dass sie dringend handeln müssen. Nachdem sich die Aussichten eingetrübt haben, wollen die Regierungen verstärkt das Wachstum stimulieren.“ So seien Strukturreformen im Rohstoffboom auf die lange Bank geschoben worden. Jetzt gehe man dieses Thema verstärkt an. „Aber auch hier gilt: Das Verabschieden von Reformen lässt sich vielleicht noch glücklich bewerkstelligen. Die große Herausforderung jedoch ist die erfolgreiche Umsetzung der Pläne.“