Straffung und Regulierung Gegenwind für chinesische Aktien

Insbesondere die großen Technologie-Unternehmen könnten es in den kommenden Monaten schwerer haben. Welche Branchen aktuell interessanter scheinen, sagt Alastair Campbell, Equity Investment Manager bei Aegon AM.

01.07.2021 - 11:2501.07.21 - 12:02
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Filiale von Anta Sports in China
Filiale von Anta Sports in China: Der chinesische Konzern dürfte von der steigenden Bedeutung heimischer Marken profitieren© IMAGO / Xinhua

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Entwicklung chinesischer Aktien in diesem Jahr belasten könnten. „Zwar erholt sich China gut von der Krise. Doch die konjunkturelle Dynamik verlangsamt sich und im ersten Quartal 2021 haben wir wahrscheinlich den Höhepunkt des Wirtschaftswachstums in diesem Zyklus gesehen“, erklärt Alastair Campbell, Equity Investment Manager bei Aegon Asset Management.

Chinas Politik wird restriktiver

Die Behörden sorgen sich um ein übermäßiges Kreditwachstum angesichts der bereits hohen Verschuldung. Doch die Straffung sorgt allmählich für Gegenwind. Zudem gehört China zu den weltweit größten Importeuren fast aller Rohstoffe. Die starke Nachfrage hat die globalen Rohstoffpreise in die Höhe klettern lassen, was wiederum die Gewinnmargen im chinesischen Industriesektoren belastet. Die People's Bank of China hat daher gehandelt und den Renminbi gegenüber dem US-Dollar gestärkt, um diese importierte Kosteninflation zu verringern.

Neben den makroökonomischen Faktoren sind chinesische Aktien auch mit sektorspezifischem Gegenwind konfrontiert. „Am bedeutendsten ist die Verschärfung der Regulierung der führenden Internetplattformen“, sagt Campbell. Die Behörden untersuchen viele Bereiche des chinesischen Internets, darunter Essenslieferungen, Online-Finanzierung und Bildung, verteilen Geldstrafen für schlechtes Verhalten und erzwingen Änderungen der Betriebspraktiken.

Ein Großteil der Regulierung zielt auf die Begrenzung von Monopolen ab. Dies großen Online-Plattformen verzeichneten alle im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum und profitierten von der Krise. Die Lockerung der coronabedingten Beschränkungen im Jahr 2021 hat jedoch die Kluft zwischen Online und Offline verringert. Zudem haben große Anbieter wie Alibaba, Tencent und Meituan versprochen, ihre Investitionen zu erhöhen, um gutes Verhalten zu zeigen. „Das dürfte jedoch die Gewinne für 2021 und vielleicht sogar 2022 senken“, ist Campbell überzeugt. Der langfristige Ausblick für viele dieser Unternehmen sei immer noch positiv, kurzfristig ist aber mit Volatilität zu rechnen.

Die Gewinner

Campbell sieht aber Schlüsselbereiche, die sich seiner Einschätzung nach weiterhin gut entwickeln werden, darunter Sportbekleidungsunternehmen und Produzenten erneuerbarer Energien. „Der chinesische Konzern Anta Sports ist beispielsweise gut positioniert, um vom Umschwung in der Verbraucherpräferenz hin zu heimischen Marken und der Aufmerksamkeit für Sportturniere zu profitieren“, meint Campbell. Insgesamt sieht er bei Aktien Potenzial, die vom Konsumverhalten abhängig sind.

Chinas Wachstumsstrategie im Bereich der erneuerbaren Energien könnte ebenfalls Investmentchancen bieten. Im September 2020 verkündete Xi Jinping, dass China den Höhepunkt der Emissionen vor 2030 erreichen und bis 2060 kohlenstoffneutral werden wolle. Das ist sehr ambitioniert, wenn man bedenkt, dass das Reich der Mitte derzeit zu den weltweit größten Verursachern von Kohlendioxid gehört und für etwa 28 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich ist.

Gleichzeitig aber liegt Chinas globaler Marktanteil bei der Herstellung von Solarmodulen bei knapp 70 Prozent. Daran beteiligt ist beispielsweise das Unternehmen LONGi Green Energy Technology. Aber auch andere Firmen im breiteren Sektor der erneuerbaren Energien könnten auf Wachstumskurs bleiben, darunter Betreiber von Wind- und Solarparks wie China Longyuan Power.

Der steigende Anteil erneuerbarer Energien bedeutet ebenfalls, dass Chinas Elektrofahrzeuge grüner werden. Die chinesische Regierung hat das ehrgeizige Ziel, den Anteil von Elektroautos an den gesamten Neuwagenverkäufen von 5,2 Prozent im Jahr 2019 bis 2025 auf 20 Prozent zu steigern. Es gibt eine Reihe von börsennotierten chinesischen EV-Herstellern, darunter Start-ups wie Xpeng.