Anlagestrategie Gekauft und geärgert – Geschichte wiederholt sich

Viele Anleger erleben derzeit ihre erste große Börsenkorrektur. Das sollte jedoch kein Anlass sein, sich vom Kapitalmarkt zu verabschieden, sagt unser Gastautor Martin Eberhard. Denn: Nur dort lassen sich die Verluste wieder wettmachen. Vielleicht sollte man aber seine Strategie überdenken…

18.03.2022 - 14:0018.03.22 - 10:26
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Oh je
Oh je: In den vergangenen Wochen sind die Aktienkurse deutlich gesunken. Für Anleger kommt es jetzt auf die drei „Gs“ an: Geld, Gedanken und Geduld © Imago Images / UPI Photo

Sich am Aktienmarkt erfolgreich zu behaupten, ist nicht immer ganz einfach. Dem geduldigen Anleger winken langfristig Gewinne. Wer sich jedoch dazu verleiten lässt, zur falschen Zeit auszusteigen, verliert nicht nur Geld – sondern oft auch den Glauben an die Geldanlage mit Aktien, ETFs oder Investmentfonds.

Verzeichneten Fondsgesellschaften, Neo-Broker und Investmentberater insbesondere in den vergangenen beiden Jahren einen Rekordzulauf, so scheint es seit Jahresbeginn etwas ruhiger geworden zu sein.

Nicht nur unter jungen Börsenfans heiß gehandelte Meme-Aktien wie AMC oder Gamestop haben seit ihrem Höchststand 70 Prozent abgegeben, sondern auch beispielsweise die Biontech-Aktie. Hartgesottene Anhänger von Kryptowährungen mussten feststellen, dass Bitcoins alles andere als ein sicherer Hafen sind. Viele ETF- und Fondsanleger erleben in den ersten Wochen des neuen Jahres ihre erste deutliche Börsenkorrektur.

Die Geschichte wiederholt sich also doch

Der 1999 verstorbene Börsenguru André Kostolany unterschied zwei Gruppen von Investoren: Die Hartgesottenen und die Zittrigen. Hartgesottene Anleger verfügen über die drei „Gs“: Geld, Gedanken und Geduld. Den Zittrigen fehlt immer mindestens eine dieser Eigenschaften.

Wenn die Kurse niedrig sind, benötigt man zunächst die Fantasie und den Glauben – oder eben die Gedanken – an eine bessere Zeit. Und man braucht zweitens Geduld, denn fast nie erwischt man den günstigsten Einstiegszeitpunkt, sowie drittens Geld – also stets ausreichend Liquidität.

Die meisten Privatanleger sind wohl leider dem Lager der Zittrigen zuzuordnen:

  • Sie machen sich zu wenig oder keine Gedanken über ihre Anlage und haben keinen Plan
  • Sie investieren ständig, wenn die Kurse steigen. Allerdings selten oder nie, wenn es abwärts geht
  • Sie haben meist dann kein oder zu wenig Geld, wenn sie es dringend für Investitionen benötigen, da sie ja bei steigenden Kursen gekauft haben und bei gefallenen Kursen nicht verkaufen

Die Hartgesottenen warten auf die Fehler der Zittrigen. Wenn diese dann in der Phase der Kapitulation ihre Papiere günstig auf den Markt werfen, kommt die Stunde der günstigen Einkaufsgelegenheiten.

Im Wesentlichen bestimmt bei den Zittrigen die Anlegerpsychologie über den Erfolg und Misserfolg bei der Geldanlage. Hartgesottene hingegen orientieren sich an einem Plan, folgen ihren Gedanken, bringen Geduld mit und haben immer die nötige Liquidität. Am Ende kommt dann sicher auch noch Glück dazu, denn niemand – absolut niemand – kann den morgigen Kursverlauf an der Börse vorhersehen.

Wir sammeln Erfahrung und werden (hoffentlich) bessere Anleger

Wer aktuell 50 Prozent Verlust mit einer einzelnen Aktie verbucht, benötigt 100 Prozent Kursgewinn, um seinen Einstandskurs wieder zu erreichen. Wenn man sich also einmal mit gutem Grund für ein Wertpapier entschieden hat und fest daran glaubt, dann sollte bei 50 Prozent Rabatt eigentlich mutig nachgekauft werden. Wer sich aber nie Gedanken über das Investment gemacht hat und weder über Geduld noch über Geld verfügt, der hat ursprüngliche schon eine falsche Entscheidung getroffen.

Anlässe für gute und schlechte Börsenphasen gibt es immer wieder. Bei der Geldanlage geht es deshalb auch nicht darum, immer die perfekte Entscheidung zu treffen. Vielmehr sollten Anleger aus ihren Erfahrungen der vergangenen Wochen lernen, konkrete Finanzpläne erstellen, ihr Risikoprofil kritisch hinterfragen und neu entscheiden.

Es bleibt zu hoffen, dass der Trend zur Anlage in Wertpapiere, Investmentfonds und ETFs anhält und insbesondere neue Marktteilnehmer nicht die gleichen Fehler begehen, die Telekom-Aktionäre vor über 20 Jahren schon gemacht haben.

Am Ende wird es nämlich nur am Kapitalmarkt gelingen, aktuelle Kursverluste wieder aufzuholen – bestimmt nicht mit Festgeld oder der Bausparkasse.

Über den Autor:

Martin Eberhard ist seit 2003 als Finanzanlagenvermittler tätig. Sein Unternehmen fondsfueralle.de konzentriert sich auf die Vermittlung von Investmentfonds und ETFs. Zum Stichtag 31. April 2021 betreut seine Firma 53 Millionen Euro Kundenvermögen.

2021 belegte Martin Eberhard im Rahmen des Black Bull Awards bei der Wahl zum „Fondsexperten des Jahres“ den dritten Platz. In Vorträgen & Webinaren informiert er seit Jahren über „stressfreies Anlegen“ mit Investmentfonds.