Geldpolitik US-Notenbanker zeigen höhere Bereitschaft für Zinserhöhung

Steigen die Zinsen oder steigen sie nicht? In den USA stehen im Moment alle Zeichen auf Straffung der Geldpolitik. Das zeigen Kommentare einflussreicher Notenbanker.

01.03.2017 - 11:5601.03.17 - 13:03
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Fed-Präsidentin Janet Yellen
Fed-Präsidentin Janet Yellen© Getty Images

Einflussreiche Notenbanker der Federal Reserve (Fed) haben eine größere Bereitschaft signalisiert, in den USA die geldpolitischen Zügel anzuziehen – womöglich schon in diesem Monat.

Der Präsident der New Yorker Fed, William Dudley, sagte in einem Interview mit CNN International, dass die Argumente für eine Straffung in den letzten Monaten „viel überzeugender“ geworden seien. Zuvor hatte John Williams, Präsident der Fed in San Francisco gesagt, dass eine Zinserhöhung seiner Einschätzung nach bei der Sitzung des Offenmarktausschusses (engl.: Federal Open Market Commitee, FOMC) am 14. und 15. März „ernsthaft in Betracht gezogen“ wird. Die Fed nähere sich ihren Zielen, fügte er hinzu.

Philadelphia-Fed-Präsident Patrick Harker bekräftigte in einer Rede, dass er drei Zinserhöhungen in diesem Jahr bevorzugen würde. Das Protokoll der FOMC-Sitzung vom 31. Januar und 1. Februar zeigte, dass „viele Mitglieder ziemlich bald“ für eine Anhebung des Leitzinses sind, wenn sich die Wirtschaft im Rahmen der Erwartungen oder stärker entwickelt.

Die Kommentare der Notenbanker spiegeln ein wachsendes Vertrauen in die Beständigkeit des Wirtschaftswachstums wider. Hinter dem Optimismus stehen ein stark aufgehelltes Geschäfts- und Konsumklima, florierende Finanzmärkte und die erhöhte Wahrscheinlichkeit von staatlichen Konjunkturimpulsen unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump.

Zinsschritt rückt näher

Die Wahrscheinlichkeit für eine Straffung im März kletterte gemessen an den Kursen der Fed-Fund-Futures am Mittwochmorgen auf 80 Prozent, verglichen mit 50 Prozent am Dienstag vor den Reden der Fed-Notenbanker und 34 Prozent vor weniger als einer Woche. Am Freitag steht eine Rede der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen an, von der sich die Händler weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs erhoffen.

Nach Einschätzung von Lou Crandall, Chefökonom der US-Analysegesellschaft Wrightson ICAP LLC in Jersey City, New Jersey, werden die Notenbanker im März die Zinsen anheben, sofern der Arbeitsmarktbericht für Februar, der am 10. März vorgelegt wird, nicht enttäuschend ausfällt. „Sie werden die erste Gelegenheit wahrnehmen, die sich bietet“, so Crandall. „Solange die Daten solide bleiben, wird der März die Chance sein, sich zu bewegen.“

Carl Tannenbaum, Chefökonom des im S&P 500 gelisteten US-Finanzunternehmens Northern Trust sagte, dass die Äußerungen der Fed-Notenbanker Dudley und Williams der anstehenden Rede von Yellen einen noch höheren Stellenwert geben. Die Aussagen „könnten sehr wohl als erste Ouvertüren betrachtet werden, mit denen die Fed versucht, den Ton am Markt anzugeben“, erklärte er. Yellen sei jedoch „eine Stimme, die gehört werden muss, bevor sich die Möglichkeit eines Zinsschritts festigt.“