„Gier tötet Aktivhandel“Vanguard setzt auf ETF-Wachstum in Europa

Aktiv gemanagte Fonds sind auf Dauer zu teuer für Anleger, finden Finanzexperten der US-Fondsgesellschaft Vanguard. Sie setzen deshalb auf ETFs – und weiten ihr Produktangebot in Europa massiv aus.

22.02.2017 - 17:13 Uhr22.02.17 17:13
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Börsentafel in Frankfurt: Der Handel mit passiven Fonds intensiviert sich in Europa
Börsentafel in Frankfurt: Der Handel mit passiven Fonds intensiviert sich in Europa© Getty Images

Finanzexperten der weltweit größten Fondsgesellschaft Vanguard wittern eine Gelegenheit. Sie setzen darauf, dass das in den USA bereits populäre Modell des passiven Investierens auch in Europa an Boden gewinnen wird – und positionieren sich dafür.

Grundlage der Einschätzung ist, dass anstehende Regulierungen wie die EU-Richtlinie MiFID II die Kosten für die Verwaltung von Vermögen in der Region erhöhen. Davon dürften Investments, die Indizes nachbilden, profitieren – zu Lasten von Produkten, deren Manager für das aktive Auswählen von Aktien und Anleihen bezahlt werden.

Die Vanguard-Mitarbeiter erwarten, dass dies den Anteil passiver Investments am europäischen Markt im Laufe der nächsten zehn bis 15 Jahre von aktuell 15 auf über 30 Prozent hochtreiben wird. Das würde dem Marktanteil in den USA entsprechen. Die US-Rating-Agentur Moody’s Investors Service geht davon aus, dass Indexfonds in Übersee binnen sieben Jahren die teureren aktiv investierten Produkte überholen werden.

Die aktive Vermögensverwaltung „stirbt an ihrer eigenen Krankheit, an ihrer eigenen Gier“, so Tim Buckley, Vanguards Chief Investment Officer, im Interview mit Bloomberg. „Es geht um hohe Kosten gegenüber niedrigen Kosten – und hohe Kosten sind der Dinosaurier.“

Gebühren belasten Performance

Vanguard-Mitarbeiter fordern, bei allen Fonds einen „Gesundheits-Warnhinweis“ zu den Gebühren anzugeben. Die hohen Gebühren seien einer der wichtigsten Gründe, weshalb die meisten aktiv verwalteten Fonds in den letzten 15 Jahren schlechter abgeschnitten haben als ihre gewählte Benchmark.

In Europa sind passive Investments bereits stark auf dem Vormarsch. Zwischen Ende 2013 und Ende 2016 ist das Anlagevolumen laut Berechnungen der Rating-Agentur Morningstar um rund 80 Prozent auf 1,1 Billionen Euro geklettert. Auch das Europa-Geschäft von Vanguard ist gewachsen: Von einer Person zu Zeiten der Finanzkrise auf ein 300 Mitarbeiter starkes Team, das rund 110 Milliarden Euro verwaltet.

Vanguard betreut weltweit ein Anlagevolumen von insgesamt 4 Billionen US-Dollar, davon eine Billion in aktiven Anlagen. Die Anlageprodukte der Fondsgesellschaft sind nach eigenen Angaben billiger als die der Konkurrenz. Die durchschnittlichen Gebühren für Vanguard-Fonds liegen bei 0,18 Prozent. Der Branchendurchschnitt beläuft sich auf ein Prozent. In den letzten 18 Monaten hat sich Vanguard darauf konzentriert, mit zusätzlichen Fonds und neuen Strukturen die „Fähigkeiten in Europa zu verbreitern.“ „Das ist nur Teil der natürlichen Entwicklung des Geschäfts“, sagt Mark Fitzgerald, Senior Product Manager bei der Gesellschaft.