Globale Aktien Zu früh, aus Aktien auszusteigen

Die Stärke der Rallye der vergangenen Monate erinnert an den Januar 2018. Geht der Kursaufschwung weiter oder droht ein erneuter Kursrutsch an den Märkten? Dazu Salman Baig, Multi-Asset-Manager beim Vermögensverwalter Unigestion.

21.01.2020, aktualisiert 19.05.2020 - 11:0419.05.20 - 11:04
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Börsenhändler in New York
Börsenhändler in New York: Trotz hoher Bewertungen bleiben Warnsignale derzeit schwach© Getty Images

Globale Aktien setzten ihren Aufwärtstrend in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres fort. Die Unterzeichnung des „Phase 1"-Handelsabkommens zwischen den USA und China hat die Märkte weiter beflügelt, obwohl dies weitgehend erwartet wurde und Bestimmungen enthält, die China nur schwer erreichen kann. Die Stärke der Rallye der letzten Monate erinnert an den Januar 2018 und man fragt sich, ob sie anhalten kann oder ob sie lediglich einem weiteren Zusammenbruch der Märkte vorausgeht. Dies sind wichtige Fragen, die Anleger einschätzen müssen, und Selbstzufriedenheit ist derzeit fehl am Platz. Aus unserer Sicht sind die Parallelen zu Anfang 2018 zu diesem Zeitpunkt eher schwach und die Bedingungen deuten auf mehr Aufwärtspotenzial hin. Dennoch bleiben wir wachsam, da solche Börsenrallys oft den Boden für ihren eigenen Abschwung bereiten.

Der MSCI All Country Index ist innerhalb von nur zwei Wochen um 2,1 Prozent gestiegen, wobei sowohl Aktien aus den Industrieländern (+2,1 Prozent) als auch aus den Schwellenländern (+2,4 Prozent) von der positiven Anlegerstimmung profitierten. US-Aktien glänzen weiterhin mit einem Plus von 2,7 Prozent beim S&P 500 und 4,5 Prozent beim Nasdaq 100. Wachstumsorientierte Anlagen erhielten einen weiteren Schub, als Präsident Trump und Vizepremier Liu das „Phase 1“-Handelsabkommen zwischen den USA und China unterzeichneten, ein Schritt, der von den Marktteilnehmern zwar  weithin erwartet worden war, der jedoch keineswegs sicher war. Unter den Bestimmungen des Abkommens erklärt sich China bereit, in den nächsten zwei Jahren für weitere 200 Milliarden US-Dollar US-Güter und Dienstleistungen zu kaufen und damit den Wert der Einkäufe aus 2017, vor Beginn des Handelskrieges, von 186 Milliarden US-Dollar mehr als zu verdoppeln.

Während einige Zölle zurückgenommen oder abgeschafft wurden, werden die USA weiterhin einen Zoll von 25 Prozent auf Importe aus China im Wert von 250 Milliarden US-Dollar erheben, zweifellos ein Druckmittel für zukünftige Verhandlungen. Weitere Fortschritte und eine mögliche „Phase 2“ des Abkommens hängen in hohem Maße von den Chinesen ab, die sich verpflichtet haben, die US-Importe zu erhöhen und geistiges Eigentum zu schützen. Sind wir wieder im Jahr 2018? Nein, noch nicht. Bei diesem Aufwärtstrend ziehen einige Anleger natürlich Bilanz und haben ein Déjà-vu mit Blick auf das Jahr 2018: Eine Rally im vierten Quartal, die die herausragende Jahresperformance abschließt und sich mit bullischer Konsensstimmung bis in den Januar hinein erstreckt.

Derzeit moderate Positionierung der Anleger

Aus unserer Sicht gab es vor dem Ausverkauf im Februar 2018 eine Handvoll besorgniserregender Signale:

Aus makroökonomischer Sicht führte das über dem Trend liegende Wachstum zu Inflationsdruck und drängte die Zentralbanker zur Normalisierung der Geldpolitik.

Trotz der Aktienrally stieg der Volatilitätsindex VIX, insbesondere in der zweiten Januarhälfte, und die TED-Spreads hatten sich ausgeweitet. Dies führte dazu, dass unser MarktstressNowcaster Warnsignale auslöste, die auf ein Risiko an den Finanzmärkten hindeuteten.

  • Die Dynamik der Marktrallye war besonders stark: Der S & P 500 erzielte rückblickend über verschiedene Perioden Renditen in den oberen Perzentilen.
  • Die Anlegerpositionierung war stark optimistisch: Hebelstrategien wiesen ein hohes Beta zu globale Aktien auf und Kleinanleger waren mittels ETFs extrem short in der Volatilität positioniert
  • Die Bewertungen waren sehr hoch, wobei der MSCI All Country Index bei seinem 85. Perzentil und der S & P 500 bei seinem 90. Perzentil lag, gemessen an einem breiten Querschnitt von Bewertungskennzahlen.