Steigende Nachfrage Gegensätzliche Kräfte begrenzen Gold

Die Gesamtnachfrage nach Gold hat sich im ersten Halbjahr verbessert. Das geht aus dem Bericht des World Gold Council hervor. Ein Grund für den Anstieg ist der erneute Covid-19-Ausbruch in Indien, schreibt Joe Foster, Stratege bei VanEck, in seinem aktuellen Goldkommentar.

26.08.2021, aktualisiert 31.08.2021 - 09:5231.08.21 - 09:52
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Tauziehen an einem Strand in Florida
Tauziehen an einem Strand in Florida: Der Goldpreis wird derzeit vom US-Dollar ausgebremst, profitiert aber gleichzeitig von den sinkenden Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen© IMAGO / ZUMA Wire

Neben dem Wiederaufflammen der Pandemie spielt beim Gold auch die gestiegene Zentralbankennachfrage eine wichtige Rolle: „Die Nettokäufe der Zentralbanken beliefen sich in der ersten Jahreshälfte auf insgesamt 333 Tonnen“, berichtet Joe Foster, Goldstratege beim Vermögensverwalter VanEck. „Das entspricht dem Niveau der Nettokäufe vor der Pandemie, als Russland und China die größten Abnehmer waren.“ In diesem Jahr traten Thailand, Ungarn und Brasilien als größte Abnehmer auf. „Der thailändische Zentralbankgouverneur wies darauf hin, dass Gold die wichtigsten Ziele des Reservemanagements erfüllt: Sicherheit, Rendite, Diversifizierung und Absicherung.“

Gemischte Signale

Sinkende Zinssätze deuteten darauf hin, dass an den Anleihemärkten eine bevorstehende wirtschaftliche Schwäche erwartet wird. Die Stärke des US-Dollars hingegen sei ein Zeichen für eine gesunde Wirtschaft, die Investitionsströme anziehe. „Diese divergierenden Märkte deuten auf ein hohes Maß an Unsicherheit hin. Die Anleihenmärkte spiegeln die Besorgnis über die zunehmenden Auswirkungen der Delta-Variante und die Befürchtung wider, dass die Wirtschaft leiden könnte, wenn die Fed damit beginnt, ihre Konjunkturmaßnahmen zurückzunehmen. Andererseits deutet die Stärke des US-Dollars darauf hin, dass die Zinssätze im Zuge der wirtschaftlichen Erholung steigen werden“, erläutert Foster.

Es könnte deshalb sein, dass der US-Dollar eine korrekte Prognose für die nahe Zukunft darstellt, während Anleihen eine längerfristige Perspektive haben. „Fiskal- und geldpolitische Anreize werden die Wirtschaft noch ein oder zwei Jahre lang ankurbeln. Wir glauben jedoch, dass das Wirtschaftswachstum mit zunehmenden Risiken behaftet sein wird, sobald die konjunkturellen Anreize nachlassen. Die Aktien- und Anleihemärkte könnten ohne die von Regierungen bereitgestellte Liquidität, auf die sie bauen, zusammenbrechen“, sagt Foster.

Versteckte Inflation

Derzeit treiben Angebotsengpässe und die wachsende Nachfrage die Inflation an. „Wir glauben jedoch, dass eine Rekordgeldmenge, strukturell höhere Rohstoffpreise, demografische Verschiebungen in Bezug auf den Faktor Arbeit und die Verlagerung des Handels darauf hindeuten, dass die Inflation langfristig anhalten könnte. Inflation stellt ein erhebliches Risiko dar und wenn der Anleihemarkt die wirtschaftliche Schwäche richtig vorhersagt, dann wird die aktuelle Inflation eventuell irgendwann in eine Stagflation übergehen“, so Foster.

Eine andere Interpretation der Divergenz zwischen dem US-Dollar und den Anleihemärkten besteht darin, dass die traditionellen Signale, auf die sich der Markt verlässt, durch die radikale Finanz- und Geldpolitik, die mit der globalen Finanzkrise begann und mit der Krise geradezu entfesselt wurde, verzerrt wurden. „Die Welt ist mit Liquidität, die fast zum Nulltarif erhältlich ist, gesättigt“, betont Foster. „Billionen von US-Dollar können die Märkte ohne Rücksicht auf Fundamentaldaten antreiben, wenn sich Anleger verzweifelt auf der Suche nach Rendite befinden.“