Goldmarkt Federal Reserve bereitet Analysten Kopfschmerzen

Wohin geht der Goldpreis? Das anhaltende Warten auf eine mögliche Zinserhöhung der US Notenbank sorgt für Verwirrung und Uneinigkeit unter Goldhändlern. In einer Bloomberg-Erhebung zur Entwicklung des Edelmetalls rechnet die Hälfte der Teilnehmer mit einem Anstieg – die andere Hälfte mit einem weiteren Jahresminus.

20.10.2015, aktualisiert 17.11.2015 - 09:3217.11.15 - 09:32
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Quelle: Bloomberg
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in  Gold
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Die zunehmende Ungewissheit über die Zinsentwicklung hat die Volatilität des Goldpreises in die Nähe eines Drei-Monats-Hochs getrieben. Hedgefonds haben die Orientierung verloren – in vier der vergangenen sieben Wochen lagen sie mit ihren Wetten auf die Tendenz der Preise daneben.

Selbst die beiden Prognostiker, die im letzten Quartal die treffsichersten Vorhersagen machten, schätzen die Auswirkungen der Fed-Entscheidungen auf den Goldpreis unterschiedlich ein, wie aus den von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht.

Einige Leute werden schier verrückt vom Warten. Die Beobachtung der Fed und die Mutmaßungen nehmen breiten Raum ein. Die Ungewissheit, die die nächsten Aktionen der Notenbank umgibt, macht es nicht einfach, Richtungsfaktoren für Gold zu benennen.

Alan Gayle, leitender Stratege bei RidgeWorth Investments

In den letzten fünf Quartalen ist der Goldpreis gefallen. Einen Abwärtstrend von dieser Dauer gab es zuletzt 1997. Vor dem Hintergrund einer beschleunigten Konjunkturerholung in den USA und erhöhter Beschäftigung galt es bis vor kurzem als sicher, dass die Fed ihren Ankündigungen folgen und die Zinsen anheben werde. Doch im letzten Monat ist diese Gewissheit erschüttert worden. Am Mittwoch schloss der Goldpreis erstmals seit Mai über der 200-Tage-Linie.

Straffe Geldpolitik macht Anlagen in Edelmetalle unattraktiv

Die Arbeitsmarktzahlen vom 2. Oktober enttäuschten die Erwartungen der Volkswirte und deuteten an, dass die Ausläufer der weltweiten Wirtschaftsflaute auch die USA erreichen. Auf seiner Sitzung vom 16./17. September verschob der Offenmarktausschuss der Fed die Zinswende- aus Sorge um das Wachstum, wie das Protokoll der Tagung zeigt. Mitte Oktober steuern Terminkontrakte für Gold in New York auf ihren größten Monatsgewinn seit Januar zu.

21 der insgesamt 41 von Bloomberg befragten Analysten zwischen Sydney und New York rechnen für das Jahresende mit einem niedrigeren Goldpreis als Anfang Januar; der Rest erwartet ein Plus. Höhere Kreditkosten sorgen dafür, dass Gold weniger gut mit zinsbringenden Anlageklassen wie Anleihen mithalten kann. Eine straffere Geldpolitik stützt den Dollar und macht Edelmetalle als Alternative weniger attraktiv.

Der Goldpreis liegt derzeit in etwa da, wo er Ende Dezember 2014 war; die zwischenzeitlichen Verluste von rund neun Prozent hat er aufgeholt. In den vorangegangenen zwei Jahren hatte Gold 29 Prozent an Wert verloren. Die niedrige Inflation, ein stärkerer Dollar und eine Aktienrally erschütterten das Vertrauen einiger Investoren in Gold als Wertspeicher. Würde der Abwärtstrend sich bis zum Jahresende fortsetzen, wäre das die längste Minusstrecke seit 1998.