ESG-Trend Green Bonds – Chancen für Anleger und Emittenten

Der Green-Bond-Markt wächst und wächst: Bis Mitte April wurden 2021 weltweit grüne Anleihen im Volumen von 130 Milliarden Euro begeben. Das war zweieinhalb mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Auch die Outperformance grüner Anleihen dürfte sich fortsetzen, erwartet Marcio da Costa, Portfoliomanager bei Bantleon.

21.04.2021 - 09:2621.04.21 - 11:11
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Handwerker montieren eine Solaranlage
Handwerker montieren eine Solaranlage: Die bisherige Entwicklung des Green-Bond-Marktes verlief rasant, dürfte aber erst der Anfang gewesen sein© IMAGO / Cavan Images

Alleine im März 2021 lag das Emissionsvolumen von grünen Anleihen siebenmal so hoch wie im Vorjahresmonat – ein neuer Wachstumsrekord. Dazu beigetragen haben vor allem Emissionen entsprechender Staatsanleihen von Frankreich und Italien im Umfang von 7 Milliarden beziehungsweise 8,5 Milliarden Euro. Insgesamt stehen derzeit global  Green Bonds im Wert von 880 Milliarden Euro aus. „Ein wichtiger Treiber für das starke Marktwachstum ist, dass die Emission von Green Bonds in vielen Fällen zu einer Win-win-Situation für Emittenten und Investoren geworden ist“, erklärt Marcio da Costa, Portfoliomanager bei Bantleon.

Refinanzierung günstiger geworden

Der Vergleich der Renditen ausstehender Anleihen zeichnet ein uneinheitliches Bild: Während die Green Bonds einiger Emittenten auf dem Niveau konventioneller Anleihen rentieren, sind bei anderen Renditeabschläge von mehreren Basispunkten erkennbar, das sogenannte Greenium. Das scheint insbesondere bei Emittenten der Fall zu sein, die lediglich wenige Green Bonds ausstehend haben oder aus Investorensicht sehr attraktive Laufzeiten begeben.

„Beides ist bei der 10-jährigen deutschen Zwillingsanleihe der Bundesrepublik Deutschland der Fall“, so da Costa. Diese Anleihen sind aufgrund des innovativen Zwillingskonzepts besonders aussichtsreich. Dieses ermöglicht aufgrund der identischen Ausgestaltung der grünen und der konventionellen Anleihe einen exakten Vergleich der Renditedifferenz. Im September 2020 wurde die grüne Anleihe nur noch mit einem Renditeabschlag von etwa 1 Basispunkt zum Pendant begeben.

Der Abschlag ist sukzessive um weitere 4 Basispunkte gestiegen, sodass die grüne Bundesanleihe nun 5 Basispunkte tiefer rentiert. Für die Bundesfinanzagentur bedeutet dies, dass sich die Bundesrepublik im 10-jährigen Laufzeitbereich um 0,05-Prozentpunkte günstiger über Green Bonds refinanzieren kann als über konventionelle Anleihen.

Investoren profitierten von nachfragebedingter Outperformance

Bereits bei der Emission der grünen 10-jährigen Bundesanleihe hatte sich eine Differenz von 1 Basispunkt gebildet. Investoren waren bereit, für die positive Umweltwirkung und die nachhaltige Eigenschaft auf Rendite zu verzichten. „Tatsächlich konnten Investoren seit der Emission trotz geringerer Rendite eine Outperformance mit dem Green Bond erzielen, die aus der weiter rückläufigen Renditedifferenz, dem Greenium, entstanden ist“, erläutert Bantleon-Experte da Costa.

Genau genommen konnten Investoren, die an der Neuemission teilgenommen haben, seither eine Outperformance von 0,3-Prozentpunkten gegenüber der konventionellen Anleihe erwirtschaften. Das scheint absolut betrachtet sehr wenig zu sein, ist aber angesichts des ohnehin sehr niedrigen Zinsniveaus ein beachtlicher Wert. „Erklären lässt sich das mit der überproportional hohen Nachfrage nach grünen Anleihen, der 10-jährigen Laufzeit und dem Top-Rating „AAA“ der Bundesrepublik.“

                                 Quelle: Bloomberg

Investoren können noch vom Green-Bond-Trend profitieren

„Auch wenn der Green-Bond-Markt bereits seit einigen Jahren dynamisch wächst, befindet er sich noch in einem frühen Stadium“, sagt da Costa. So bewegt sich der Renditeabschlag bei den meisten etablierten Emittenten wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Europäischen Investitionsbank bei lediglich 1 bis 3 Basispunkten. Perspektivisch sind auch Renditeabschläge im zweistelligen Basispunktebereich denkbar – mit entsprechendem Outperformance-Potenzial.

Investoren sollten aber bedenken, dass es noch keine einheitliche und verbindliche Green-Bond-Definition gibt. Diese wird in der EU erst in den kommenden Monaten mit der EU-Taxonomie entstehen.

Sowohl Angebot als auch Nachfrage dürften anziehen

Nachfrageseitig kommt der Trend erst richtig in Fahrt. So planen mehrere Zentralbanken, darunter die EZB, ihr Portfolio nachhaltiger zu gestalten. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat hierfür bereits einen Green-Bond-Fonds lanciert. Angebotsseitig schaffen die geringeren Refinanzierungskosten der Green Bonds neue Anreize für Emittenten, die bisher aufgrund der erhöhten Offenlegungs- und Transparenzpflichten gezögert haben.

„Die bisherige Entwicklung ist also erst die Spitze des Eisbergs und damit der Beginn eines Nachhaltigkeitstrends, der uns den kommenden Jahrzehnten begleiten wird. Die Outperformance grüner Anleihen dürfte sich damit fortsetzen“, erwartet da Costa.