Steigendes InteresseGroßes Wachstumspotenzial für Impact Investing

Vielen Anlegern genügt es nicht mehr, bei der Geldanlage lediglich kontroverse Branchen auszuschließen: Sie wollen einen aktiven Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Impact Investing macht das möglich, erläutert Werner Kolitsch, Länderchef für Deutschland und Österreich bei M&G Investments.

20.01.2021 - 12:05 Uhr20.01.21 12:05
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Schulklasse in Indien
Schulklasse in Indien: Mittels Impact Investing können Anleger nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern zum Beispiel auch Bildung fördern© imago images / Pacific Press Agency

Nachhaltig agierende Unternehmen, die eine positive gesellschaftliche Wirkung – also einen „Impact“ – schaffen, haben sich im turbulenten Börsenjahr 2020 als widerstandsfähig erwiesen. Es wurde deutlich, dass in der Krise gerade solche Unternehmen erfolgreich waren, die ihre Mitarbeiter und Lieferketten verantwortungsvoll und effektiv gemanagt haben.

Das sind gute Vorzeichen für Anleger in Impact-Aktienfonds, die mit ihrem Kapital nicht nur Rendite erzielen, sondern auch messbare Ergebnisse sehen wollen. Die Nachfrage nach solchen Investments wächst: Das Global Impact Investing Network (GIIN) schätzt, dass Vermögensverwalter mittlerweile 715 Milliarden US-Dollar nach Impact-Vorgaben verwalten – im Jahr 2017 waren es gerade einmal 117 Milliarden US-Dollar. Das liegt unter anderem daran, dass Impact-Strategien greifbarer und leichter zu verstehen sind als viele andere ESG-Ansätze.

Durch die Pandemie wurden Aufmerksamkeit und Ressourcen von einer Vielzahl wichtiger gesellschaftlicher Probleme weggelenkt, die dringend Finanzierungsmittel brauchen. Darum sehen wir 2021 als entscheidendes Jahr für nachhaltige Entwicklungen – sei es, um Armut zu lindern, Bildung zu fördern oder Gesundheitssysteme zu verbessern. Wirkungsorientiertes Investieren wird dabei eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie im Kampf gegen den Klimawandel.

Klimaschutz als globaler Kraftakt

Viele Länder und Regionen haben ambitionierte Umweltziele und entsprechende Maßnahmen beschlossen: Die Europäische Union hat sich auf einen Green Deal geeinigt, China gab im September 2020 seine Pläne für eine grüne Erholung nach der Pandemie bekannt. Bis 2060 will das Land CO2-neutral sein.

In den USA machte der neue Präsident Joe Biden deutlich, sein Land wieder in das Pariser Klimaabkommen führen zu wollen und sich damit dem globalen Ziel anzuschließen: Den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen – idealerweise auf 1,5 Grad. Damit wird das Rennen um „Netto Null” bei den CO2-Emissionen zu einer echten internationalen Anstrengung – wenn alle Beteiligten ihre Versprechen auch einhalten.

Soziale Faktoren wichtiger denn je

Die Ausbreitung des Corona-Virus hat die bestehenden sozioökonomischen Ungleichheiten weiter verschärft. Obwohl nach der Krise zunächst einmal Wirtschaftsthemen im Vordergrund stehen werden, dürften 2021 eine Reihe staatlicher Maßnahmen im sozialen Bereich angekündigt werden.

Private Initiativen gewinnen aber immer mehr an Bedeutung. Zum Beispiel beim Thema Bildung: Impact Investoren unterstützen Projekte, bei denen Kinder qualitativ hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung erhalten. Zentren für Erwachsenbildung werden ebenfalls gefördert. Das ist gerade in Gebieten wichtig, in denen der Staat seiner Bildungsaufgabe nicht umfänglich nachkommt. Denn so wird die Basis für wirtschaftliches und gesundheitliches Wohlergehen der kommenden Generationen gelegt.

Eine weitere Entwicklung trägt dazu bei, dass Impact Investing als Anlageklasse weiter an Bedeutung gewinnt: Wir haben festgestellt, dass es von Unternehmensseite großes Interesse gibt, Teil eines Impact-Fonds zu sein und so zu einer ausgewählten Gruppe zu gehören, die nachweislich Gutes für Gesellschaft und Umwelt tut. So können wir als Vermögensverwalter unseren Einfluss noch stärker nutzen und Unternehmen dabei helfen, die Offenlegung ihrer Aktivitäten zu verbessern oder positive Veränderungen vorzunehmen.