Günstige Einkaufstour Bei Brexit wären viele britische Firmen Schnäppchen

Sollten die Briten sich dafür entscheiden, aus der Europäischen Union auszutreten, könnten viele ihrer Unternehmen den Besitzer wechseln. Ausländische Käufer halten aufgrund des günstigen Pound-Kurses jetzt schon Ausschau nach Übernahmen

22.06.2016 - 10:1122.06.16 - 16:33
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Quelle: Bloomberg
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Die Unabhängigkeit britischer multinationaler Konzerne könnte gefährdet sein, wenn der Pfund-Kurs nach einer Entscheidung für einen Brexit einbricht. Die in der britischen Währung denominierten Aktien wären plötzlich billig für Käufer mit einer Handvoll Dollar. Unternehmen, die ihren Umsatz hauptsächlich außerhalb Großbritanniens erzielen und daher für einen wirtschaftlichen Schock nach dem Brexit weniger anfällig wären, würden durchaus bezahlbare Ziele darstellen.

Große Währungsbewegungen können langgehegte Übernahme-Ideen, die bisher, aus welchen Gründen auch immer, nicht machbar erscheinen, plötzlich möglich machen. Die negative Reaktion des Pound Sterling auf Umfragen, die auf ein „Ja“ für den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union hindeuten, signalisieren, dass es für die Landeswährung im Falle eine tatsächlichen Votums für den Brexit wohl noch schlimmer kommen wird. Banker, die bei Fusionen und Akquisitionen beraten, dürften Morgenluft wittern.

Aktien zum Spottpreis

Eine Sterling-Krise würde nicht alle britischen Aktien für ausländische Käufer preiswert machen. Denn die Aussicht auf eine Nach-Brexit-Rezession würde in London gelistete Unternehmen, die ihren Umsatz überwiegend in Großbritannien erwirtschaften, weniger attraktiv machen. Sie wären nicht ohne Grund billig. Eine mögliche Ausnahme könnten Versorger sein, die wegen ihres stabilen, inflationsgebundenen Cashflow immer reizvoll für Infrastruktur-Investoren sind.

Bei britischen Unternehmen mit einem großen internationalen Geschäft sähe die Sache anders aus. Sie könnten in den Augen ausländischer Interessenten einfach Schnäppchen sein.