Netto-Null-Ziel Hält China sein Klimaschutzversprechen?

Noch ist Kohle der mit Abstand wichtigste Energieträger in China. Wenn das Land bis 2060 klimaneutral werden will, muss sich noch einiges tun. Die Kompetenzen im Bereich saubere Technologien und erneuerbare Energien sind allerdings schon vorhanden, erklärt Michael Lai, Portfoliomanager bei Franklin Templeton.

22.04.2021 - 13:3923.04.21 - 09:32
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Windpark in China
Windpark in China: 2019 produzierte das Reich der Mitte doppelt so viel Wind- und dreimal so viel Solarstrom wie die USA© IMAGO / Xinhua

Durch die Covid-19-Pandemie ist die Heterogenität hinsichtlich der ESG-Kompetenzen der unterschiedlichen Märkten noch einmal deutlich geworden, wobei besonders China in den Fokus gerückt ist. Investoren kurbeln die Nachfrage nach ESG-Investitionen im Reich der Mitte bereits seit einiger Zeit an. Die Kapitalzuflüsse in börsengehandelte Fonds (ETFs) mit ESG-Ausrichtung sind zwischen 2018 und 2019 um 464 Prozent gestiegen – nachhaltiges Investieren ist im Mainstream angekommen.

Die zunehmende Verfügbarkeit von Daten hilft Investoren dabei, ESG-konforme Unternehmen zu identifizieren. „Dennoch bleibt die Skepsis hinsichtlich der Entwicklung Chinas in Sachen Nachhaltigkeit bestehen“, sagt Michael Lai, Portfoliomanager bei Franklin Templeton.

90 Prozent weniger CO2

Der jüngste Fünfjahresplan der Volksrepublik definiert langfristige Klimaziele. Zum Beispiel soll bis 2060 die Kohlenstoffneutralität erreicht werden. „Doch gegenwärtig ist China für 28 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich – das ist mehr als die Anteile der USA und der Europäischen Union zusammengenommen.“

Für das Erreichen des selbstgesetzten Ziels muss das Reich der Mitte seine CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent gegenüber 2019 senken und den Rest durch nachhaltige Technologien, die der Atmosphäre mehr CO2 entziehen als sie ihr zuführen, ausgleichen. „Das ist ein gewaltiges Unterfangen, vor allem da immer noch eine große Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen besteht.“

Auf dem Weg der Besserung?

Andererseits ist China schon jetzt weltweit führend bei sauberen Technologien wie Elektrofahrzeugen, Batterien, Solarzellen und Windkraftanlagen. E-Autos spielen im Industrie-Masterplan „Made in China 2025“ eine bedeutende Rolle. Bis 2024 will Peking erreichen, dass 20 Prozent aller neuen Fahrzeuge elektrisch sind.

2013 hatten die Vereinigten Staaten noch fünfmal mehr Elektrofahrzeuge als China, doch inzwischen finden sich im Reich der Mitte doppelt so viele E-Autos wie in den USA. Auch bei der Wind- und Solarenergie hat sich das Verhältnis zwischen den USA und China umgekehrt – 2019 hat China die Führung übernommen und doppelt so viel Wind- und dreimal so viel Solarstrom wie die USA produziert.

Sobald erneuerbare Energien das gleiche oder sogar weniger kosten als fossile Brennstoffe, dürften sie noch weitere Zuwächse verzeichnen. Doch, ob China das Klimaneutralitätsziel erreicht, hängt vom ausreichenden Kapital zur Finanzierung der Energiewende ab. Kann China für einen ausgeglichenen Energiemix sorgen, um auch die Versorgungssicherheit zu gewährleisten? „Das dürfte sich in den kommenden Jahren offenbaren“, kommentiert Lai.