Chip-Preise Halbleiter – das neue Öl?

Halbleiter-Unternehmen, die in den Bereichen 5G, dem Internet der Dinge (IoT), Daten oder künstliche Intelligenz (KI) tätig sind, könnten laut Mark Hawtin, Investment-Chef für Aktien „Disruptives Wachstum“ bei GAM Investments, überzeugendes Potenzial für Anleger bieten.

24.08.2021 - 17:0024.08.21 - 17:03
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Besucher auf der Semicon China (2021)
Besucher auf der Semicon China (2021): Der Hype um den Halbleiter treibt die Bewertungen in ungeahnte Höhen© IMAGO / VCG

In dem jüngsten Bericht des Vermögensverwalters Capital International Group wurden Halbleiter als das „neue Öl“ bezeichnet, welches das Räderwerk der Disruption antreibt. „Wir stimmen zwar der Einschätzung zu, dass Halbleiter einen wichtigen Bestandteil des Gesamtsystems darstellen, sind jedoch davon überzeugt, dass Daten das neue Öl und Halbleiter die neuen Motoren darstellen“, sagt Mark Hawtin, Investment-Chef für Aktien „Disruptives Wachstum“ beim Asset Manager GAM Investments.

Daten als wichtigste Antriebskräfte der Wirtschaft

„Das klingt zwar weniger glamourös, und doch sind Daten die wichtigsten Antriebskräfte der neuen Wirtschaft – so unverzichtbar wie Öl für den Verbrennungsmotor.“

Dennoch habe der Hype um den Halbleitersektor mittlerweile ein Ausmaß erreicht, das die Bewertungen im historischen Vergleich auf bislang nie erreichte Niveaus steigen ließ. So verteuerten sich die Preise der Chips gemessen am Preis-Umsatz-Verhältnis in den vergangenen zehn Jahren stetig: Von etwas weniger als dem Doppelten in der globalen Finanzkrise auf aktuell mehr als das Siebenfache. Gleichzeitig stiegen die Bruttomargen in einigen Fällen um 20 Prozent. „Das Ergebnis ist eine enorme Ausweitung der Preis-Gewinn-Verhältnisse, die uns mittlerweile als nicht mehr gerechtfertigt erscheinen“, erläutert Hawtin.

„Wir mahnen zur Vorsicht vor einer pauschalen Betrachtung des Sektors und weisen auf die Entwicklung in der Halbleiterbranche hin.“ Diese stelle nicht länger ein homogenes vertikales, sondern vielmehr ein horizontales Marktsegment dar, in dem die vertikale Endanwendung für das Ergebnis der einzelnen Unternehmen von entscheidender Bedeutung sei. „Die Entscheidung für oder gegen eine Investition sollte nicht länger aufgrund sektorspezifischer, sondern vielmehr branchenspezifischer Überlegungen getroffen werden“, erklärt der Investment-Chef.

Halbleiter-Engpässe bremsen Automobilindustrie

Die Automobilindustrie biete beispielsweise aufgrund des zunehmenden Anstiegs der US-Dollar-abhängigen Komponenten autonomer und teilautonomer Fahrzeuge ein klares Wachstumspotenzial. „Die jüngsten Untersuchungen des Analysehauses Arete Research zeigen einen Anstieg der Komponentenpreise von 310 US-Dollar pro Leichtfahrzeug 2015 auf 397 US-Dollar pro Fahrzeug im Jahr 2019, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 6,4 Prozent entspricht“, kommentiert Hawtin. Dieser Anstieg dürfte sich in den kommenden fünf Jahren auf 630 US-Dollar pro Fahrzeug ausweiten.

„Doch das Problem in der Automobil-Halbleiterindustrie liegt vielmehr in der fehlenden Produktionskapazität, insbesondere bei den 8-Zoll-Wafer-Fabriken“, warnt Hawtin. Das führe wiederum zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und damit zu Engpässen bei den Bauteilen, sowie zu der Überzeugung, dass die Lage in diesem Sektor nur besser werden könne. Die Geschichte zeigt jedoch, dass das nicht der Fall ist. Sobald das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ausgeglichen ist, setzt die Normalisierung ein. „Aus diesem Grund erscheint es uns schwierig, in diesem Sektor auf der Grundlage langfristiger interner Bewertungen Mehrwert zu finden.“

Digital 4.0 bietet aussichtsreiche Anlagechancen

Das bedeutet jedoch nicht, dass Halbleiterwerte völlig uninteressant sind. „Wir beobachten lukrative Möglichkeiten bei Unternehmen, die der vierten digitalen Säule zuzuordnen sind“, sagt Hawtin. Insbesondere Firmen, die in den Bereichen 5G, dem Internet der Dinge (IoT), Daten und künstliche Intelligenz (KI) tätig sind, könnten ein überzeugendes Anlagepotenzial bieten. „Wobei die Auswahl der Unternehmen eindeutig nach ihrer thematischen Ausrichtung und nicht nach ihrer Branchenzugehörigkeit erfolgen sollte“, mahnt Hawtin.

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