Hard BrexitHohe Kosten für Deutschland

Deutsche Unternehmen würden unter einem harten Brexit besonders leiden. Neue Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse belasten Firmen mit Milliarden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) liefert Zahlen.

19.10.2018 - 10:23 Uhr19.10.18 10:23
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Britische Königsfamilie: Die Juwelen aus Paris würden nach dem Brexit teurer
Britische Königsfamilie: Die Juwelen aus Paris würden nach dem Brexit teurer© Getty Images

In einem halben Jahr ist es soweit: Im März 2019 verlässt das Vereinigte Königreich die Europäische Union (EU), so viel ist bekannt. Unklar ist aber weiterhin, wie der Brexit organisiert werden soll. Bislang jedenfalls ist keine Einigung in Sicht. Sollte es dabei bleiben, würden die Briten ohne Freihandelsabkommen die EU verlassen.

Die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals müsste in der Folge hohe Kosten stemmen, denn es würden Zölle fällig: Unter Berücksichtigung der bilateralen Handelsstrukturen und der Regeln der Welthandelsorganisation könnte die EU Zölle in Höhe von durchschnittlich 2,8 Prozent auf britische Exporte erheben, das Vereinigte Königreich sogar von 3,6 Prozent auf Waren aus der Rest-EU. Deutsche Exporte ins Vereinigte Königreich würden mit durchschnittlich 4,3 Prozent belastet.

Bei gleichbleibendem Handelsvolumen entstünden für EU-Firmen Kosten von mehr als 10 Milliarden Euro pro Jahr. Britische Unternehmen müssten gut 5 Milliarden Euro stemmen. Auf die deutschen Unternehmen kämen Zölle in Höhe von mehr als 3 Milliarden Euro zu, belgische und niederländische Unternehmen müssten jeweils über eine Milliarde Euro an Mehrkosten tragen.

Autobranche besonders in Gefahr

Vor allem die hiesige Automobilindustrie könnte leiden: Auf sie würden rund 60 Prozent der zusätzlichen deutschen Abgaben entfallen, zeigen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Auf lange Sicht dürfte die Wirtschaft jedoch reagieren, also Preise anheben und Warenströme verlagern.

Der Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU könnte in der Folge um bis zu 50 Prozent einbrechen. Die deutschen Exporte ins Königreich würden um bis zu 57 Prozent zurückgehen: „Dieses Horrorszenario sollte die Politik zum konstruktiven Handeln antreiben“, sagt IW-Wissenschaftler Markos Jung. Denn rund 5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes hängen direkt und indirekt am Handel mit den Briten. Das Königreich ist damit der drittwichtigste Handelspartner für hiesige Unternehmen. Das könnte sich in absehbarer Zeit dramatisch ändern.

Wichtig für Anleger: Der eigentliche Austrittstag, also Brexit-Day, ist in gut fünf Monaten am 29. März 2019. Danach würde bis 2020 eine Übergangsphase beginnen. Mittlerweile hat die EU auch angeboten, diese Phase um ein Jahr zu verlängern. Die nachfolgende Statista-Grafik zeigt die Meilensteine des britischen EU-Austritts.  

Infografik: Schritt für Schritt zum Brexit | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista