Henderson Marktkommentar Deswegen erleben Europas Märkte ein Comeback

Europäische Vermögenswerte sind unbeliebt. Doch ist die Lage wirklich so schlimm? Mitnichten, sagt Tim Stevenson, Manager des Henderson Horizon Pan European Equity Fund. In seinem Kommentar erklärt er, warum das Glas immer noch halb voll ist.

17.11.2016 - 09:5817.11.16 - 10:17
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Europäische Vermögenswerte fehlen schon seit einem Jahr auf den Menükarten für Anleger, und daran wird sich so bald nichts ändern. Das Brexit-Votum war ein Schock, der noch immer nicht verdaut worden ist. Zudem ist zu befürchten, dass die Politik mindestens die nächsten zwölf Monate alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Man denke nur an das Verfassungsreferendum in Italien im Dezember 2016, die Parlamentswahlen in Frankreich im Mai 2017 und die Bundestagswahlen in Deutschland im Herbst nächsten Jahres. Wer nach Gründen sucht, warum das Glas in Europa halb leer ist, wird schnell fündig.

Ein für Europa typisches Gezänk

Das sind die Rahmenbedingungen, mit denen europäische Aktien dieses Jahr zurechtkommen müssen. Und sobald das Getöse um Donald Trumps US-Präsidentschaft verhallt ist, könnte die Politik in Europa erneut ins Rampenlicht rücken. In einem Jahr werden wir erfahren, ob das Brexit-Votum der Briten nur ein Protest-Strohfeuer war – wenn auch ein nach meiner Meinung äußert unglückseliges. In Spanien jedenfalls hat man sich nach den Wahlen Anfang des Jahres endlich auf einen Kompromiss verständigt. Dort dürfte schon bald eine neue Regierung die Arbeit aufnehmen. Wallonien, einer kleinen Region in Belgien, wäre es beinahe gelungen, ein über Jahre zwischen Kanada und der Europäischen Union (EU) ausgehandeltes Handelsabkommen platzen zu lassen. Auch das konnte in letzter Minute abgewendet werden, wenn auch nach ungeschicktem, für unsere europäischen Spitzenpolitiker so typischem Taktieren.

Doch zurück zur „realen“ Welt der Wirtschaft und der Unternehmen, die derzeit für bessere Daten aus Europa (Großbritannien ausgenommen) sorgt. Anfang 2015 hofften Marktbeobachter auf eine Wachstumserholung auf dem alten Kontinent in einer Größenordnung von 1 bis 1,5 Prozent. Zum damaligen Zeitpunkt war das realistisch. Heute stellt sich die Lage jedoch völlig anders dar. Die Europäische Zentralbank (EZB) – unterstützt von einigen Volkswirten – sah sich daher genötigt, vorsichtig auf ein baldiges Zurückfahren ihres massiven quantitativen Lockerungsprogramms hinzudeuten. Damit löste sie eine seit Langem überfällige Verkaufswelle an den Anleihenmärkten aus, mit der die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen von minus 0,1 Prozent zurück auf 0,1 Prozent stiegen. Diese Entwicklung mag auf den ersten Blick kaum der Rede wert sein. Aber ihre Wirkung auf hoch bewertete längerfristige Wachstumswerte verfehlte sie nicht.