High Yield Sind Hochzinsanleihen derzeit eine Kaufoption?

Der globale Markt für Hochzinsanleihen bietet inzwischen eine Effektivrendite von rund 8,5 Prozent. Was Anleger über die auf den ersten Blick günstige Kaufgelegenheit jetzt wissen sollten, beleuchtet Thomas Hanson, Leiter High Yield Fixed Income bei Kames Capital.

15.04.2020, aktualisiert 14.05.2020 - 12:1914.05.20 - 12:19
|
|
|
Thomas Hanson
Thomas Hanson: „Der Abwärtsdruck auf Hochzinsanleihen hat sich umgekehrt.“ © Kames Capital

Die Märkte für Hochzinsanleihen haben im 1. Quartal 2020 eine stürmische Zeit durchlebt, eines der schlechtesten Quartale aller Zeiten verzeichnet und negative Renditen erzielt, wie es sie seit den dunkelsten Tagen der Großen Finanzkrise nicht mehr gegeben hat.

Diese Lage hätte sich noch weitaus schlimmer entwickeln können, wenn nicht umfassende Maßnahmen der Zentralbanken und der Regierungen dazu beigetragen hätten, die Märkte teilweise zu stützen und bis zum Quartalsende eine Risikoerholung voranzutreiben.

Der globale Markt für Hochzinsanleihen bietet inzwischen eine Effektivrendite von rund 8,5 Prozent. Bedeutet dies also, dass er für Investoren eine günstige Kaufgelegenheit darstellt? Die Bewertungen sind gewiss überzeugend, doch bleiben klare Risiken bestehen. In diesem Jahrhundert bestand nur sehr wenige Male die Möglichkeit, dass Anleger auf diesem Niveau kaufen konnten. Zwar fielen die späteren Renditen sehr positiv aus, dennoch gibt es viele Gründe, an diesem Punkt vorsichtig zu sein. Hohe Renditen werden aufgrund ihres idiosynkratischen Charakters von einzelnen Gewinnern und Verlierern definiert, so dass eine solide Fundamentalanalyse unerlässlich ist.

Trotz attraktiver Titelbewertungen sollten Investoren bedenken, dass diese Krise ganz anders ist als alles, was der Markt bisher erlebt hat. Wir befinden uns in Bezug auf die wirtschaftlichen Auswirkungen einfach auf unbekanntem Terrain. Offensichtlich hängt vieles von der Dauer des wirtschaftlichen Ausfalls ab, und dazu lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage machen.

Der Markt hat sich in letzter Zeit viel positiver entwickelt und der Abwärtsdruck auf Hochzinsanleihen hat sich umgekehrt. Dies wurde durch positivere Fondsflüsse und Anleger begünstigt, die überschüssiges Kapital am Margenrand eingesetzt haben. Es besteht eine Diskrepanz in der Frage, wo dieses Geld eingesetzt werden soll.

Defensive, qualitativ hochwertigere Hochzinsanleihen mit BB-Rating haben sich als Hauptprofiteure bei der Trendwende der Risikostimmung erwiesen. Denn sie werden als die einzig möglichen Gewinner betrachtet, die hervorkommen könnten. Das macht es so schwer, sie aufzuspüren. Zyklische Industrieunternehmen mit niedrigerem Rating bilden die Nachzügler, da viele Investoren ihre Portfolios trotz des niedrigeren Bewertungsniveaus immer noch von derartigen Krediten bereinigen wollen.

Die von der US-Notenbank in der vergangenen Woche angekündigten Maßnahmen sind möglicherweise in der Lage, die Stimmung unter den Anlegern sinnvoll zu beeinflussen. Die US-Notenbank hat sich mit einer der größten potenziellen Herausforderungen für den Markt befasst, nämlich mit der Bereitschaft und Fähigkeit, „gefallene Engel“ zu kaufen. Zudem hat die Fed auch effektiv Unterstützung für den Markt für Hochzinsanleihen zugesagt, indem sie angeboten hat, eine kleine Menge von High Yield-ETFs zu kaufen und kleineren Emittenten im Rahmen des Main Street-Lending-Programms Liquidität zur Verfügung zu stellen. Dies könnte den Emittenten, die mit einer Liquiditätskrise konfrontiert sind, sinnvoll helfen.

Themen: