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Regent Street in London: Immobilieninvestments von nachhaltig bleibendem Wert

Immobilienmarkt Norwegischer Staatsfonds sieht Anomalien

Eine Kluft tut sich auf: Zwischen der Bewertung von Immobilien an der Börse und dem tatsächlichen Wert auf dem realen Markt. Für Karsten Kallevig, CEO der Immobiliensparte der Norges Bank, ein deutliches Zeichen, dass Korrekturen anstehen könnten.

27.11.2017 - 09:30 Uhr | Von:  in Immobilien

Als besonderes Beispiel führt Kallevig die Land Securities Group an, größtes Immobilien- und Investmentunternehmen in Großbritannien und zugleich eines der größten Immobilienunternehmen in Europa. Land Securities ist an der Londoner Börse im FTSE 100 gelistet, besitzt Bürogebäude im Zentrum von London und Gewerbeimmobilien in ganz Großbritannien.

Auf Sicht von drei Jahren hat die Land-Securities-Aktie nicht zuletzt infolge des Brexit mehr als 20 Prozent verloren – doch was laut Karsten Kallevig schwerer wiegt, ist ein riesiger Abschlag des Börsenwerts im Bezug zum fundamentalen Wert des Unternehmens, dem Nettovermögenswert (NAV), der alle materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände des Unternehmens umfasst: Der Abschlag liegt derzeit bei 36 Prozent.  

„Wir sollten immer gewarnt sein, wenn bei der Preissetzung irgendetwas in die falsche Richtung läuft”, sagt Karsten Kallevig. Der 43-Jährige managt für die Norges Bank in Oslo, die den Norwegischen Staatsfonds verwaltet, Immobilienwerte in Höhe von umgerechnet 20 Milliarden Euro, darunter Liegenschaften in der Londoner Regent Street, am New Yorker Times Square und auf dem Pariser Champs-Elysees. Insgesamt hält der „Staatliche Pensionsfonds Global”, so der offizielle Name für den Norwegischen Staatsfonds, Aktien, Anleihen und Immobilien im Wert von einer Billion US-Dollar (0,85 Billionen Euro). Ziel ist es, den Immobilienanteil auf 7 Prozent des Gesamtportfolios auszubauen.

In zehn Ballungszentren weltweit ist der Fonds investiert. Sowohl in Europa als auch in den USA reißen sich laut Per Loken, zuständig für den US-Immobilienmarkt im Norwegischen Staatsfonds, seit Jahren die gleichen Anbieter um die besten Stücke. „Wir sehen immer die gleichen Namen auf allen Märkten, das hängt damit zusammen, dass wir nur relative große Deals machen”, sagt der 35-Jährige. Investiert wird in den USA vor allem in Einzelhandelsobjekte in 1a-Lagen, die gute Chancen haben, sich auch langfristig zu tragen.  

Anlagenotstand hebelt die Immobilienpreise

Zwar hätten in den vergangenen Jahren die Renditen von Immobilien deutlich abgenommen, führt Loken aus, sie lägen aber immer noch höher als die Renditen bei Anleihen. Deshalb bleibe die Kauflust hoch – bei immer größeren Risiken einer Korrektur der Immobilienpreise – sowohl an der Börse als auch im realen Markt.

Mit einer Langzeitperspektive, die weit über die Anlagehorizonte der meisten Anleger hinausreicht, und ohne die Notwendigkeit Schulden aufnehmen zu müssen, um Immobilienkäufe zu finanzieren, kann der Norwegische Staatsfonds zu jedwedem Zeitpunkt im Geschäftszyklus investieren. Auch politische Risiken, wie sich am Beispiel Großbritannien zeigt, werden gelassen genommen. Der Brexit-Entscheid und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hatten kaum Auswirkungen auf die Anlagepolitik des Fonds.

Die über die Jahre immer weiter gestiegenen Bewertungen von Immobilien werden in Oslo jedoch zunehmend mit Argwohn gesehen. „Wir wollen Chancen nutzen“, fasst Romain Veber, Investment-Chef für Europa in der Immobiliensparte der Norges Bank, zusammen und ergänzt: „Wir bleiben fokussiert, aber auch sehr vorsichtig.“