ETF-Tipps Infrastruktur: Langfristiges Investment mit Diversifikationsfaktor

Das 550 Milliarden US-Dollar schwere Paket von US-Präsident Joe Biden rückt Infrastruktur-Investments wieder in den Fokus von Investor:innen. Welche ETFs jetzt einen genaueren Blick wert sind, erklärt Christian Köpp von Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltung.

25.11.2021 - 13:0025.11.21 - 13:03
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US-Präsident Joe Biden beim Autohersteller General Motors in Detroit, Michigan
US-Präsident Joe Biden beim Autohersteller General Motors in Detroit, Michigan: Mit Infrastruktur-ETFs können Anleger:innen an den Milliardeninvestitionen in den USA teilhaben© Imago Images / ZUMA Wire

Egal, ob telefonieren, im Internet surfen, Reisen oder zur Arbeit fahren: Ohne funktionierende Infrastruktur wäre der Alltag, wie wir ihn kennen, nicht möglich. Infrastruktur ist das Fundament der Wirtschaft. Das zeigt sich auch am 550 Milliarden US-Dollar schweren Infrastruktur-Paket, das US-Präsident Joe Biden kürzlich verabschiedet hat. Mit dem Geld sollen unter anderem Straßen, Brücken, das Schienennetz und die Trinkwasserversorgung der Vereinigten Staaten modernisiert werden.

Der Geldregen kommt nicht nur der amerikanischen Bevölkerung zugute, auch für Anleger:innen können sich Investments in die Infrastruktur lohnen. „Ein großer Vorteil von Infrastrukturinvestments ist, dass eine Vielzahl von Branchen direkt und indirekt davon profitieren“, erklärt Christian Köpp, Gesellschafter und Prokurist bei Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltung. Denn: Neben Straßen und Brücken fließt ein Teil des Geldes auch in den Netzausbau oder die Versorgung mit Ladesäulen sowie den Ausbau von erneuerbaren Energien.

Langfristige Infrastrukturprojekte, zuverlässige Planung

Da der Ausbau und Erhalt von Infrastruktur sehr teuer ist, werden viele der staatlichen Projekte von privaten Unternehmen übernommen. Meist handelt es sich dabei um langfristige Großprojekte, die den Unternehmen eine verlässliche Planung ermöglichen. Dadurch können sie das Auf und Ab innerhalb des Konjunkturzyklus besser ausgleichen.

„Der Nachteil der Zuverlässigkeit ist jedoch, dass die Renditen begrenzt sind und nicht immer mit denen von Growth-Titeln mithalten können“, sagt Köpp. Da es sich bei Infrastrukturinvestitionen meistens um reale Sachwerte handelt, können diese aus seiner Sicht aber gerade bei steigender Inflation interessant sein.

Infrastrukturfonds und -ETFs können sich dabei auch günstig auf die Diversifikation des Depots auswirken. So sind die größten Positionen in Infrastruktur-ETFs laut Köpp meist Unternehmen, die in den allermeisten Portolios nur sehr selten vertreten sein dürften. Beispiele für solche ETFs, die Anleger:innen jetzt im Blick behalten sollten, sind aus seiner Sicht der iShares Global Infrastructure (ISIN: IE00B1FZS467) oder der Xtrackers S&P Global Infrastructure (ISIN: LU0322253229).

Der Kurs des iShares Global Infrastructure hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt (+146,3 Prozent) und war bis auf den coronabedingten Kursrückgang Anfang 2020 sehr stetig und im Vergleich zu anderen Themen-ETFs weniger volatil.

Der ETF überzeugt aus Sicht von Köpp aufgrund seiner Größe (1,4 Milliarden US-Dollar), seiner Streuung (241 Positionen) und seinem Fokus auf US-Werte, die 62 Prozent des Portfolios ausmachen. Somit können Anleger:innen direkt an den erhöhten Infrastrukturausgaben in den Vereinigten Staaten teilhaben. Auf Platz zwei und drei der am höchsten gewichteten Regionen folgen Kanada (12,6 Prozent) und Japan (3,7 Prozent). Bei den Branchen dominieren Versorger (49,7 Prozent), Industrie (26,3 Prozent) und Energie (11,3 Prozent). Die größten Positionen sind der US-amerikanische Energieversorger NextEra Energy (6,4 Prozent), das Transportunternehmen Union Pacific Corporation (6 Prozent) und das Kommunikationsunternehmen American Tower Corp (4,9 Prozent). Der Indexfonds kommt über 5 Jahre auf eine Performance von 50,7 Prozent bei 12,4 Prozent Volatilität. Die Gesamtkosten liegen bei 0,65 Prozent pro Jahr.

Breites vs. schlankes Portfolio

Der größte Unterschied zum zweiten ETF-Tipp des Vermögensverwalters ist die Anzahl der Positionen: Während der Marktführer iShares hier mit 241 Titeln breit diversifiziert ist, setzt die DWS mit ihrem Xtrackers S&P Global Infrastructure mit 75 Unternehmen auf ein vergleichsweise schlankes Portfolio.

„Per se muss das kein Nachteil sein“, sagt Köpp. „Anleger sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass sich eine höhere Konzentration durchaus auf das Risiko und die Performance eines ETFs auswirken kann.“ Auf 5-Jahres-Sicht lieferte der Xtrackers-ETF seinen Anleger:innen eine Performance von 29,2 Prozent bei einer Volatilität von 16,4 Prozent. Regional betrachtet sind die USA (35,6 Prozent), Australien (11,7) und Kanada (10,7) am höchsten gewichtet. Bei den Branchen führt die Industrie (40,6) vor Versorgern (38,6) und Energie (20,8). Die größten Positionen sind der kanadische Pipeline-Systembetreiber Enbridge (5,1 Prozent), das australische Infrastrukturunternehmen Transurban (5 Prozent) und die spanische Flughafengesellschaft Aena SME (5 Prozent).

Infrastruktur als langfristiges Anlagethema

Für Köpp bleibt Infrastruktur in den kommenden Jahren ein attraktives Anlagethema, vor allem für langfristig orientierte Investoren. Das unterstreicht auch eine Studie der Unternehmensberatung PwC. Demnach sollen bis 2025 weltweit 57 Billionen US-Dollar in Infrastruktur-Projekte fließen. Außerhalb der USA dürften die meisten davon in China, dem Nahen Osten und in Indien realisiert werden. Aber auch in Deutschland klagen Bund, Länder und Kommunen über kaputte Straßen, gesperrte Brücken, unzureichend gepflegte Gleise oder verrottete Schleusen und sehen Handlungsbedarf.

Aktuell sind neue Investitionen vor allem in den Schwellenländern zu beobachten. Indien investiert rund eine Billion US-Dollar in die Infrastruktur, China möchte in den kommenden Jahren etwa sechs Billionen US-Dollar ausgeben. Hauptmotiv für die Ausgaben in den großen Schwellenländern: Meist handelt es sich hierbei um Staaten mit einer wachsenden Bevölkerung. Um den Bedürfnissen von mehr Menschen mit steigenden Einkommen gerecht zu werden, muss die Infrastruktur angepasst werden.

Lest mehr zu globalen Infrastrukturfonds in Stolls Fondsecke: Urbanisierung, Digitalisierung, Mobilitätswende: Megatrends verändern die Art, wie wir zusammenleben. Die Infrastruktur an die neuen Gegebenheiten anzupassen, ist eine enorme Herausforderung – bietet aber auch vielfältige Investmentchancen. Unser Gastautor Sven Stoll hat drei Infrastrukturfonds unter die Lupe genommen.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.