Interview mit Raphael Lüscher, Fondsmanager bei Swisscanto Invest„Wir verstehen gesellschaftliche Probleme als Marktchance“

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Swisscanto Invest gehört zu den größten Fondsanbietern der Schweiz. Der Swisscanto (LU) Equity Fund Green Invest Emerging Markets (ISIN: LU0338548034) fokussiert Unternehmen, die Lösungen für gesellschaftliche Nachhaltigkeitsprobleme bieten. Mit gutem Erfolg: Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre liegt der Wertzuwachs bei 6,57 Prozent.

06.02.2017 - 12:05 Uhr06.02.17 12:05
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Lehrer gehen in Rio de Janeiro auf die Straße: Hilferuf für ein funktionierendes Bildungssystem
Lehrer gehen in Rio de Janeiro auf die Straße: Hilferuf für ein funktionierendes Bildungssystem © Getty Images

der fonds: Herr Lüscher, Sie managen den Swisscanto (LU) Equity Fund Green Invest Emerging Markets. Worin besteht das Hauptaugenmerk bei diesem Fonds?

Raphael Lüscher: Unser Ansatz geht von der Frage aus: Wie sind Wohlstandswachstum und nachhaltige Entwicklung in den Schwellenländern vereinbar? Fakt ist: Die Welt wird bei limitierten Ressourcen mit einer rasch wachsenden Bevölkerung konfrontiert. Das führt zu gravierender Luftverschmutzung zum Beispiel in China und Indien. In Brasilien und Chile steigt der Unmut der Bevölkerung gegen die politische Klasse, hier wird mit immer größerer Vehemenz politische und wirtschaftliche Partizipation eingefordert.

Die große Herausforderung für die Schwellenländer ist, das Wohlstandswachstum für alle zu steigern ohne die Umwelt weiter zu belasten. Wir setzen im Fonds auf Firmen, die nachhaltige Lösungen anbieten – sowohl im ökologischen als auch im sozialen Bereich. Für uns ist jedes ungelöste gesellschaftliche oder globale Problem nichts anderes als eine große unentdeckte Marktchance.

In welchen Regionen und Sektoren setzen Sie aktuell Schwerpunkte in Ihrem Portfolio?

Lüscher: Insgesamt haben wir rund 60 Firmen im Fonds. Investiert sind wir zurzeit in China und Südkorea (je 16 Prozent), Indien, Taiwan (je 12 Prozent) und Brasilien (7 Prozent), aber auch in Russland und Ungarn (unter 5 Prozent). Wir sind breit diversifiziert und wollen Länderrisiken möglichst reduzieren.

Aktuell sehen wir in den Themen Zugang zu Finanzdienstleistungen (30 Prozent), Energieeffizienz (17 Prozent) und Verfügbarkeit von Gesundheitsversorgung einträgliche Investmentideen. Wichtig sind uns auch Verkehr und Logistik, Wasser und Bildung. Die Allokation in den nachhaltigen Themen ist aber nicht top down gesteuert, sondern ergibt sich aus der Aktienauswahl.

Könnten Sie Ihren Investment-Ansatz am Beispiel näher erläutern?

Lüscher: Gern! Nehmen wir Brasilien: Derjenige in Brasilien, der eine gute Ausbildung hat, kommt im Berufsleben weiter. Trotz Wirtschaftskrise herrscht hier ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Die Menschen wissen: Bessere Bildung wirkt als Lohnmultiplikator und ist der Schlüssel zum Erfolg. Weil das staatliche Bildungssystem nur rudimentäre Leistungen bietet, erschließen sich immer mehr Menschen Aufstiegschancen durch Angebote privatwirtschaftlicher Bildungsträger. Das Marktvolumen des Bildungssektors in Brasilien ist in den vergangenen vier Jahren um 17 Prozent pro Jahr gewachsen!