Interview mit Roland Müller, J. Safra Sarasin „Höhere ESG-Bewertungen reduzieren das Ausfallrisiko“

Auf dem private banking kongress in München (30./31. März) stellt Roland Müller, Bonds- und Absolute-Return-Stratege bei der Schweizer Bank J. Safra Sarasin, eine Innovation bei nachhaltigen Geldanlagen vor – Sustainable High Yield Bonds. Wir wollten schon vorab wissen: Welchen Nutzen ziehen Anleger aus dieser Produktkategorie?

24.03.2017, aktualisiert 30.03.2017 - 09:4830.03.17 - 09:48
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Schwerathletische Sportart Gewichtheben: Die Absicherung der Risiken von Hochzinsanleihen sollten Anleger nicht auf die leichte Schulter nehmen
Schwerathletische Sportart Gewichtheben: Die Absicherung der Risiken von Hochzinsanleihen sollten Anleger nicht auf die leichte Schulter nehmen© Getty Images

der fonds: Herr Müller, wie entwickelt sich derzeit das High-Yield-Bond-Universum?

Roland Müller: An den großen internationalen Märkten für High-Yield-Anleihen fanden in den vergangenen Jahren erhebliche Veränderungen statt. Es sind deutliche Strukturverschiebungen an den wichtigsten Anleihemärkten festzustellen. Die Emissionsvolumina am wichtigen US-Markt haben weiter abgenommen, während sie in den Schwellenländern und in Europa deutlich zugenommen haben.

Diese Strukturverschiebungen an den wichtigsten Anleihemärkten sind auch auf Rating-Ebene festzustellen, wo das weniger riskante BB-Segment eine höhere relative Bedeutung gewonnen hat. Dies lässt sich zumindest in Teilen durch den Ölpreisverfall und den unter Druck gekommenen Energiebereich erklären, der in den USA eine herausragende Stellung einnimmt.

Bislang noch im Verborgenen, hat aber auch das Thema Nachhaltigkeit an Gewicht gewonnen, dem ein klassischer Investor bislang eher wenig Beachtung bei der Analyse von High-Yield-Emittenten geschenkt hat. Das Ergebnis ist ein komplexer werdendes Universum, das dem Anleger mehr Auswahl bietet. 

Inwieweit nehmen die Risiken durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld zu?

Müller: Das Hauptrisiko des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes liegt in einer möglichen exzessiven Risikobereitschaft von Investoren, welche sich in der Jagd nach Rendite ausdrückt. Dabei können Investoren sowohl Durations- als auch Kreditrisiken eingehen, um die gewünschte Rendite zu erzielen. Das Durationsrisiko schlägt sich vor allem im Preisänderungsrisiko von selbst sicher geglaubten Staatsanleihen, den deutschen Bundesanleihen nieder. So fiel der Preis der 30-jährigen deutschen Benchmarkanleihe von ihrem Hoch Ende Juli 2016 von 162 Euro auf 131 Euro heute. Dies entspricht einem Verlust von fast 20 Prozent. Im aktuellen Umfeld leicht steigender Zinsen können die niedrigen Kupons sicherer Staatsanleihen diese Verluste nicht ausgleichen.