Interview mit Stephen Thariyan, globaler Leiter des Bereichs Credit bei Henderson Trump, Inflation und Brexit bestimmen die Anleihemärkte

Die US-Zinsen sind leicht gestiegen, das Anleiheankaufprogramm der EZB wurde zwar verlängert, aber das Kaufvolumen reduziert. Die Inflation zieht an – dürfen sich Anleiheinvestoren freuen? Wie geht es weiter mit den Anleihemärkten? Wie lange läuft die Trump-Rally? Und bei welchen Segmenten sollten Anleger genauer hinschauen? Diese Fragen beantwortet Stephen Thariyan, Globaler Leiter des Bereichs Credit bei Henderson Global Investors.

26.01.2017 - 17:2626.01.17 - 17:39
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Stephen Thariyan, Globaler Leiter des Bereichs Credit bei Henderson Global Investors
Stephen Thariyan, Globaler Leiter des Bereichs Credit bei Henderson Global Investors

Wie haben sich die Unternehmensanleihen-Märkte im vierten Quartal 2016 entwickelt?

Stephen Thariyan: Die Wertentwicklung war uneinheitlich und je nach Ratingspektrum sehr verschieden. Die Investment-Grade-Kategorie litt vor allem unter der Duration, da starke Wachstumszahlen und steigende Inflationserwartungen die Anleihekurse gedrückt haben. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat diese Trends beschleunigt und eine so starke Bewegung in der Renditekurve ausgelöst wie seit Jahren nicht mehr.

Wie verhielten sich die unterschiedlichen Anleihesegmente?

Thariyan: Im vierten Quartal ließ die lange Duration die Gesamtrenditen von Unternehmensanleihen sinken. Diese Entwicklung betraf vor allem Investment-Grade-Anleihen in den USA, Europa und Großbritannien. An den Hochzinsmärkten wirkten sich die Erwartungen eines stärkeren Wachstums und steigender Aktienkurse dagegen günstig aus und ließen die Renditen steigen. Dies war besonders in den USA zu beobachten, wo sich die Ölpreise stabilisierten und Sorgen über sinkende Preise in den Hintergrund traten. Unter dem Strich schnitten Investment-Grade-Anleihen daher schwächer ab – die Gesamtrenditen fielen negativ aus. Bei Hochzinsanleihen war das Gegenteil der Fall.

Setzt sich die Trump-Rally fort?

Thariyan: Das wird ganz davon abhängen, ob seinen Worten Taten folgen. Derzeit ist viel Rhetorik im Spiel: Jede Äußerung von Trump löst Bewegungen an den Märkten aus, besonders an den Devisenmärkten und bei den Terminkurven. Entscheidend ist meiner Meinung nach der Zeitpunkt, an dem er die angekündigten Maßnahmen durchführen wird. Und selbst wenn Trump seine Versprechen zügig umsetzt, stellt sich die Frage, wie rasch und in welchem Ausmaß sich Veränderungen zeigen. Immerhin haben die Märkte schon viel vorweggenommen.

Bei welchen Branchen zeichnen sich jetzt schon Veränderungen ab?

Thariyan: Eins können wir bereits festhalten: Dank der Bewegungen entlang der Renditekurve haben sich die Rahmenbedingungen für Banken gebessert. Und für höhere Bankengewinne gibt es noch weitere Gründe, nicht zuletzt den Handel. Die Handelsbedingungen für Anleihen sind besser geworden und spiegeln sich in stärkeren Renditen bei Banken wider. Auch die klassische Gewinnquelle für Geldhäuser sprudelt bei steileren Renditekurven wieder mehr. Kurz: Entscheidend wird sein, wie schnell Trump liefert und wie groß das Vertrauen in seine Pläne ist. Aber Anleger haben – wie gesagt – schon viel Zuversicht eingepreist.