Anlagechancen Investieren gegen den Klimawandel

Waldbrände, Starkregen, Temperaturrekorde: Wenn die Menschheit den Klimawandel noch auf ein erträgliches Maß begrenzen will, müssen Anstrengungen und Tempo nun deutlich steigen. Das macht der Weltklimarat in seinem jüngsten Bericht deutlicher denn je.

11.08.2021 - 15:3911.08.21 - 16:01
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Kampf gegen die Flammen in der Türkei
Kampf gegen die Flammen in der Türkei: Wie verheerend die Folgen des Klimawandels aussehen können, zeigte sich dieses Jahr bereits anhand zahlreicher Flächenbrände © IMAGO / Xinhua

Die im Juli von der Europäischen Union vorgestellte Klimastrategie „Fit for 55“ verdeutlicht die gigantischen Herausforderungen, vor die der Klimawandel die Menschheit stellt. Laut Plan sollen die jährlichen CO2-Emissionen der Europäischen Union bis zum Ende des Jahrzehnts 55 Prozent niedriger sein als im Jahr 1990 – ein Rückgang von rund einem Drittel.

Dennoch ist keineswegs klar, ob diese Reduktion ausreichen wird. Gerade erst warnte der Weltklimarat in seinem sechsten umfassenden Bericht: Es wird schon bald unmöglich sein, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius – geschweige denn 1,5 Grad – zu begrenzen, wenn die Treibhausgasemissionen nicht umgehend drastisch reduziert werden.

Die Erde habe sich im Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum vergangenen Jahrzehnt bereits um 1,07 Grad Celsius erwärmt. In den kommenden zwei Jahrzehnten dürfte die Erwärmung die 1,5-Grad-Marke erreichen oder gar überschreiten – unabhängig davon, wie sich die Emissionen entwickeln. Häufiger auftretende Extremwetterphänomene wie Hitzewellen, Starkregen oder Dürren sind damit bereits unvermeidbar.

Für John Ploegg, ESG-Spezialist bei PGIM Fixed Income, ist die wichtigste Nachricht des Berichts jedoch eine andere: Die Erkenntnis, dass der Einfluss des Menschen „unbestreitbar“ ist. Vielen sei das ohnehin bewusst. Aber: „Für eine Studie, die von den Regierungen fast aller Länder der Welt gebilligt werden muss – auch denjenigen, die noch stark von CO2-intensiven Wirtschaftszweigen abhängig sind – ist es eine recht bahnbrechende Aussage.“ Das betont auch Hector McNeil, Mitbegründer und Co-CEO von HANetf: „Die derzeitige Situation ist viel schlimmer als erwartet und der Mensch trägt ‚eindeutig‘ die Schuld daran.“

Schadenshöhe hängt von zukünftigen Emissionen ab

Der Mensch kann aber auch verhindern, dass es noch schlimmer wird. Denn: Wie hoch die Risiken ausfallen, hängt wesentlich vom Grad der Erwärmung ab, also der Höhe der zukünftigen Emissionen.

Der CO2-Ausstoß muss also zwingend schneller reduziert werden, um weiteren Schaden von der Umwelt abzuwenden. Ein erster Schritt sind die nationalen Ziele für Klimaneutralität – die sogenannten „Netto-Null-Ziele“. Einschließlich der Selbstverpflichtungen von China, den USA, Japan und Südkorea machen sie mittlerweile zwei Drittel des globalen Bruttoinlandsprodukts aus. Sie betreffen 61 Prozent der globalen Emissionen und 56 Prozent der Weltbevölkerung.

Umweltlösungen als Gewinner der Krise

Die gute Nachricht ist: Der angestrebte Wandel beinhaltet nicht nur Herausforderungen, sondern auch Anlagechancen. „Unserer Überzeugung nach werden die Anbieter von Umweltlösungen, ohne die die Wirtschaft ihre Emissionsziele nicht erreichen kann, perspektivisch eine langfristige Outperformance erzielen, da ihren Märkten ein beeindruckendes Wachstum bevorsteht“, erläutert Jon Wallace, Fondsmanager Environmental Solutions bei Jupiter Asset Management.

Aus den immer ehrgeizigeren Emissionszielen der Unternehmen ergibt sich aus seiner Sicht ein kontinuierlich wachsendes Feld geschäftlicher Möglichkeiten. Schon jetzt habe sich etwas mehr als ein Fünftel der Forbes Global 2000 – das sind 417 Unternehmen, die einen Jahresumsatz von etwa 14 Billionen US-Dollar erzielen – verpflichtet, das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

Alternative Inhaltsstoffe als Lösung

Viele Maßnahmen zur Emissionssenkung sind allerdings kostspielig. Das stellt gerade die Unternehmen vor Probleme, die in relativ standardisierten Bereichen mit niedrigen Margen und gering ausgeprägten Differenzierungschancen tätig sind. „Dennoch beobachten wir, dass sich allmählich ein konstantes Angebot an Chancen herausbildet“, sagt Wallace. „Dies betrifft etwa Marktsektoren, in denen ein geringer Anstieg der Rohstoffpreise verkraftbar ist.“ Ein Beispiel hierfür seien Hersteller von Schnelldrehern – also Sortimentsartikel mit hoher Umschlagshäufigkeit –, die kohlenstoffintensive Inhaltsstoffe durch Alternativen ersetzen können. „Hieraus ergeben sich Chancen für Anbieter von Inhaltsstoffen in der Chemiebranche“, sagt Wallace. Diese könnten ihre Margen dramatisch steigern, wenn sie ein innovatives Produkt anbieten, das zum Ziel der Klimaneutralität beiträgt.

„Es gibt ein norwegisches Unternehmen, das synthetisches Vanillearoma aus nachhaltigen pflanzlichen Rohstoffen herstellt und damit eine Alternative zu den Vanillearomen aus Erdölprodukten bietet, die in der Branche bisher die Regel sind“, erläutert Wallace. Die Kohlestoffemissionen des natürlichen Aromas seien um 90 Prozent niedriger, während das jährliche Wachstum innerhalb der Produktkategorie bei deutlich über 10 Prozent liege. Das aus Erdöl gewonnene synthetische Vanillearoma komme dagegen nur auf 1 Prozent.

Anlageuniversum wächst

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Ziel der Klimaneutralität ohne Umweltlösungen nicht zu erreichen ist und dass wir sektorübergreifend mehr solcher Lösungen benötigen“, resümiert Wallace. Unternehmen, die die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen anbieten, könnten sich somit besser positionieren. „Wir gehen davon aus, dass diese Chancen langfristiger Natur und nicht auf Bereiche wie Elektromobilität oder erneuerbare Energien beschränkt sind“, sagt Wallace. „Der Einsatzbereich von Umweltlösungen dürfte künftig weiter wachsen. Das führt zu vielfältigen Chancen und einer interessanten Titelauswahl.“

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