Erneuerbare EnergienInvestitionen müssen sich verdreifachen

Immer mehr Staaten bekennen sich zum Netto-Null-Ziel. Um das zu erreichen, spielen erneuerbare Energien eine wichtige Rolle. Der steigende Investitionsbedarf dürfte Anlegern interessante Renditemöglichkeiten eröffnen.

15.06.2021 - 16:40 Uhr15.06.21 16:40
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Offshore-Windpark in China
Offshore-Windpark in China: Auch im Reich der Mitte, das den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorantreibt, könnten Anleger interessante Investmentchancen entdecken © IMAGO / Xinhua

Seit Jahresbeginn stehen die Aktienkurse von Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien unter Druck. Der iShares Global Clean Energy ETF (ISIN: IE00B1XNHC34) beispielsweise verlor bis zum 15. Juni rund 20 Prozent an Wert. Langfristig dürften Investitionen in die Branche jedoch nach wie vor Renditepotenzial bieten.

Dieses Jahr sollen die weltweiten Investitionen in die Energie-Branche auf 1,9 Billionen US-Dollar klettern. Das ist ein Zuwachs von knapp 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bringt das Gesamtvolumen wieder auf Vorkrisenniveau. Die Investitionen in den Stromsektor dürften nach einer Stagnation im Jahr 2020 um 5 Prozent auf 820 Milliarden US-Dollar steigen. Erneuerbare Energien werden voraussichtlich 70 Prozent der 530 Milliarden US-Dollar ausmachen, die 2021 insgesamt in neue Kapazitäten fließen werden. Investitionen in Netze und Speicher machen den Rest aus. Diese Zahlen gehen aus dem jüngsten „World Energy Investment Reports“ der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor.

„Dank rasanter Technologieverbesserungen und Kostensenkungen wird mit einem US-Dollar, der heute für den Einsatz von Wind- und Solarkraft ausgegeben wird, viermal mehr Strom erzeugt als mit einem US-Dollar, der vor zehn Jahren für dieselben Technologien ausgegeben wurde“, erklären die IEA. Zum sechsten Mal in Folge fließt weltweit mehr Kapital in nachhaltige Stromprojekte als in die Förderung von Öl und Gas. Das allein dürfte aber nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Ausbaubedarf nicht nur in Schwellenländern

Im vergangenen Jahr gab es eine Vielzahl von Verpflichtungen von Regierungen, Unternehmen und Finanzinstitutionen, bis 2050 oder kurz danach Netto-Null-Emissionen zu erreichen. In vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften hat sich die Finanzwelt für nachhaltige Finanzierungen stark gemacht und Fonds und Initiativen ins Leben gerufen, um das wachsende Interesse der Kapitalmärkte zu kanalisieren und die neuen Offenlegungsvorschriften zu erfüllen. Ein Beispiel: Die Emission von nachhaltigen Schuldtiteln ist rasant angestiegen und hat 2020 ein Rekordvolumen von 600 Milliarden US-Dollar erreicht.

Die 750 Milliarden US-Dollar, die im Jahr 2021 weltweit für saubere Energietechnologien und -effizienz ausgegeben werden sollen, liegen allerdings noch weit unter dem, was erforderlich ist. „Die Investitionen in saubere Energien müssten sich in den 2020er-Jahren verdoppeln, um den Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad Celsius zu halten, und mehr als verdreifachen, um eine Stabilisierung bei 1,5 Grad Celsius zu gewährleisten“, sagen die Experten.

Klare politische Signale vonseiten der Regierungen würden nicht nur die Unsicherheiten im Zusammenhang mit sauberer Energie verringern, sondern auch potenzielle Kosten durch Investitionen in Anlagen vermeiden, die nicht ausreichend genutzt werden. Unstimmigkeiten bei der Anpassungsgeschwindigkeit können Risiken schaffen, wenn beispielsweise ein langsames Tempo der Netzinvestitionen zu Engpässen bei Wind- und Solarenergie führt oder wenn Öl- und Gaslieferanten schneller von Kohlenwasserstoffen wegkommen als ihre Verbraucher.

Wachstumsmarkt oder nicht?

Es bleibt also fraglich, ob die Welt bereits 2050 emissionsfrei ist. Dennoch lässt sich ein globaler Trend in Richtung erneuerbarer Energien beobachten. Aufgrund dessen kann ein Blick auf die Brache für Anleger interessant sein, um neue nachhaltige Investitionsmöglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette zu entdecken. In verschiedenen Bereichen ergeben sich diverse Anlagechancen: Beispielweise bei der Erzeugung, der Übertragung und Verteilung, der Speicherung und der Infrastruktur der erneuerbaren Energien. Damit können Anleger zukunftsfähige Technologien unterstützen, die wenig CO2-Emissionen verursachen und gleichzeitig ihr Portfolio diversifizieren und sich langfristige Renditechancen sichern.

Bei nachhaltigen Themenfonds fließt das Geld in eine breitere Auswahl von Aktien oder Anleihen bestimmter Branchen. Einige Umweltfonds spezialisieren sich dabei auf regenerative Energien.

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