Hackerangriffe nehmen zuInvestitionswelle im Bereich Cybersicherheit

Als sich das Leben aufgrund der Corona-Pandemie zunehmend in den virtuellen Raum verlagerte, zogen Kriminelle nach: Die Schäden durch Cyberangriffe sind massiv gestiegen. Unternehmen dürften künftig noch mehr Geld für Sicherheitslösungen ausgeben, erwartet Patrick Lemmens, Portfolio Manager des Robeco FinTech.

22.06.2021 - 12:16 Uhr22.06.21 12:16
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Informatiker: Cyberkriminalität verursachte im vergangenen Jahr weltweit Schäden in Höhe von geschätzten 945 Milliarden US-Dollar © IMAGO / Westend61

Die Corona-Pandemie war für Hacker ein Segen. „Da weite Teile der Wirtschaft abrupt online gehen mussten, florierte die Cyberkriminalität“, erläutert Patrick Lemmens, Portfoliomanager des Robeco FinTech. 30 Milliarden Datensätze wurden im Jahr 2020 gestohlen – mehr, als in den vorangegangenen 15 Jahren zusammen. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht von Canalys hervor, einer auf die Technologiebranche spezialisierten Analysefirma.

Die weltweiten finanziellen Verluste infolge von Cyberkriminalität stiegen auf schätzungsweise 945 Milliarden US-Dollar stark an (siehe Grafik 1). Das berichten der US-amerikanische Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) und der Computersicherheitsspezialist McAfee.

Grafik 1: Geschätzte weltweite Verluste durch Cyberkriminalität (in Billionen US-Dollar)

Quelle: Center for Strategic and International Studies, McAfee

Ebenso wie die Kosten sind auch die Ausgaben für Cybersicherheit gestiegen und haben Schätzungen zufolge die Schwelle von 145 Milliarden US-Dollar überschritten. „Damit liegen die Gesamtkosten der Cyberkriminalität bei etwa 1,1 Billionen US-Dollar weltweit. Das entspricht 1,3 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung“, gibt Lemmens zu bedenken. Diese neue Schätzung implizierte einen Anstieg um mehr als 50 Prozent gegenüber der vorherigen, die von CSIS und McAfee für das Jahr 2018 abgegeben worden war. Nach Aussage der Verfasser ist dieser Anstieg zum Teil auf eine bessere Berichterstattung zurückzuführen. Sie wiesen jedoch auch darauf hin, dass die Cyberkriminalität selbst unter Berücksichtigung dieses Aspekts eindeutig weiter rasant wächst.

Ausgaben für Cybersicherheit dürften weiter deutlich steigen

„Die Coronavirus-Krise hat unsere Abhängigkeit vom Cyberspace drastisch erhöht“, sagt der Robeco-Portfoliomanager. Das könnte auch nach der Pandemie so bleiben. „Daher müssen Unternehmen weiterhin in Infrastruktur für Cybersicherheit investieren, insbesondere in der Finanzdienstleistungsbranche.“

In einem Report aus dem vergangenen August warnte Interpol vor der alarmierenden Rate von Cyberattacken in den ersten vier Monaten des Jahres 2020, als weltweit strenge Lockdowns verhängt wurden. Darüber hinaus hält Interpol einen weiteren Anstieg der Cyberkriminalität in der nahen Zukunft für sehr wahrscheinlich, da strukturelle Trends wie die Zunahme des Online-Handels und das Arbeiten von zu Hause aus anhalten dürften. „In diesem Zusammenhang dürften die Budgets für Cybersicherheit weiter steigen“, erwartet Lemmens. „Auch wenn ein laufender Geschäftsbetrieb und die Produktivität der Mitarbeiter während der Pandemie eine höhere Priorität als Sicherheit besaßen, entwickelten sich die Investitionen in Cybersicherheit 2020 immer noch besser als in anderen Segmenten der IT-Branche.“ Sie stiegen nach Angaben von Canalys um 10 Prozent auf 53 Milliarden US-Dollar an.

Das Analyseunternehmen geht davon aus, dass der Trend in naher Zukunft anhält. „Konkret erwartet es im Jahr 2021 einen Anstieg der Investitionen in Cybersicherheit zwischen etwa 6,6 bis 10 Prozent. Die Ausgaben für Sicherheitstechnologien in den Bereichen Internet und E-Mail dürften sich am dynamischsten entwickeln.“

Komplexe, aber aussichtsreiche Branche für Investoren

„Aus Investorensicht stellt der massive Anstieg der Cyberkriminalität eine Bedrohung für die Unternehmen dar, an denen sie beteiligt sind“, gibt Lemmens zu bedenken. „Zugleich eröffnet er aber auch die Chance, in Gesellschaften zu investieren, die Lösungen zur Bewältigung dieser wachsenden Herausforderung anbieten.“ Besonders relevant sei dies für die Finanzbranche, da Cyberkriminelle diesen Sektor naturgemäß besonders attraktiv finden. „Wer in der Finanzwelt das Problem der Cybersicherheit nicht in den Griff bekommt, wird schlicht untergehen.“

Das wachsende Interesse an Investments im Bereich Cybersicherheit ist bereits bei den Mittelzuflüssen beim Aktien-Wagniskapital zu beobachten. Nach Angaben der Research- und Analysefirma CB Insights erreichte die Bereitstellung von Finanzierungsmitteln für Cybersicherheit im Jahr 2020 ein Allzeithoch von 11,4 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um fast 50 Prozent gegenüber 2018. Die sich rapide entwickelnde Cyberkriminalität und die beschleunigte Verbreitung von Cloud-Computing waren die wichtigsten Treiber hinter diesem Anstieg.

„Die steigende Nachfrage nach Cybersicherheitslösungen ist eine der Entwicklungen, die wir im Rahmen unserer FinTech- und New World Financials-Aktienstrategien sehr genau verfolgen“, betont der Portfoliomanager. Zwar sei es nicht einfach, Firmen im Bereich Cybersicherheit zu finden, die sowohl für den Finanzsektor relevant als auch aus Anlegerperspektive interessant sind. „Zum einen ist die Auswahl möglicher Unternehmen nach wie vor begrenzt. Zum anderen entwickeln sich das geschäftliche Wachstum und die Aktienkurse nicht immer parallel.“ Deshalb sei es äußerst wichtig, die (relative) Bewertung im Blick zu behalten. „Wir gehen aber davon aus, dass die potenziellen Erträge den Aufwand lohnen.“

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