Jahr der Reflation Es geht wieder aufwärts

Brexit, US-Präsidentschaftswahl, Italien-Referendum: Die Finanzmärkte leiden aktuell unter politischen Ungewissheiten. Für die Realwirtschaft heißt das jedoch nichts – ganz im Gegenteil: Die globalen Wachstumsdaten könnten sich sogar leicht verbessern. Warum das so ist und welche Chancen sich für Anleger ergeben, erklären Investment-Strategen von NN Investment Partners.

21.11.2016 - 00:0021.11.16 - 17:57
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Zwar toben die politischen Wogen des Brexit-Votums und US-Wahlkampfes noch an den Finanzmärkten, doch unabhängig davon beruhigt sich die wirtschaftliche Lage allmählich. Die von schwankenden Rohstoffpreisen und Wechselkursen ausgelösten Verwerfungen lassen allmählich nach. Im Ergebnis ebbt auch deren wachstumsschädliche Wirkung ab. Die weltweite Nachfrage und die höheren Ölpreise dürften die Gewinnentwicklung beleben, schätzen Experten von NN Investment Partners.

Wirtschaftsstimmung heiter

Donald Trump wird US-Präsident, in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland stehen Wahlen an, Großbritannien stellt im März voraussichtlich einen Antrag auf Austritt aus der Europäischen Union – Unwägbarkeiten, die sowohl in politischen Führungsschichten als auch bei Investoren für Unsicherheit sorgen.

Entsprechend werden die Märkte eine Prämie für das politische Risiko einpreisen. Zugleich zeichnet sich ein leicht positiver Trend bei den Rahmendaten ab. Dank freundlicherer Arbeitsmärkte und höherer Zuversicht sind die Konsumausgaben in den letzten Quartalen gestiegen. Die besseren Ertragsaussichten wirken sich auch positiv auf das Geschäftsklima aus – das zeigt die breit aufgestellte Verbesserung der Daten im Einkaufsmanagerindex (PMI), einem Frühindikator, der die wirtschaftliche Aktivität misst. Zusammen mit steigenden Rohstoffpreisen dürften höheres Ertragswachstum und freundlicheres Geschäftsklima insgesamt auch eine moderate Verbesserung bei den Investitionsausgaben weltweit anstoßen.

Fiskalpolitik auf dem Vormarsch

Das kommende Jahr könnte einen Anstieg des Nominalwachstums weltweit bringen. Zudem dürfte sich die Wirtschaftspolitik normalisieren, die die Konjunktur durch fiskalische statt monetäre Anreize belebt. Die Märkte haben diese Trends bereits vorweggenommen – das zeigen die steigenden Anleiherenditen in den Industrieländern und die Umschichtung von defensiven und renditesensitiven Sektoren hin zu zyklischen Sektoren. Dieser Reflationstrend dürfte sich in den nächsten Quartalen an den Aktien- wie auch den Anleihemärkten fortsetzen.

Trotz dieser Wende gibt es an den Märkten immer noch viel zu holen. Die Risikoprämien sind nach wie vor angemessen und die Anleger halten an ihrer relativ vorsichtigen Positionierung und den hohen Cash-Beständen fest. Diese Faktoren fungieren als Puffer gegenüber unerwarteten politischen Ereignissen, denen häufig von Phasen hoher Volatilität folgen. Für Anleger ist dann wichtig, bei ihren Anlageentscheidungen flexibel zu bleiben.