Jan Sobotta zur US-Präsidentschaftswahl Keine panischen Reaktionen nach Trump-Sieg

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Nach dem Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl kam es zwar zu Kurskorrekturen am Aktienmarkt, doch die rasche Erholung beim Deutschen Aktienindex und der erste Handelstag in den USA nach der Wahl zeigten, dass das Wahlergebnis kein Grund zur Panik ist.

17.11.2016 - 15:3017.11.16 - 15:35
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Jan Sobotta erwartet zunächst keine negativen Reaktionen der Finanzmärkte auf den Trump-Sieg.
Jan Sobotta erwartet zunächst keine negativen Reaktionen der Finanzmärkte auf den Trump-Sieg.

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump erscheint „Realpolitik“ zumindest im wirtschaftlichen Bereich sehr wahrscheinlich. Viele führende Republikaner wie der Sprecher im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, haben sich von Trumps Wahlkampfrhetorik distanziert. Zudem ist in der amerikanischen Verfassung das System der „Checks and Balances“ tief verankert – einem Machtmissbrauch Trumps sind verfassungsrechtlich sehr enge Grenzen gesetzt. Wir gehen davon aus, dass sich die aktuell stabile Lage an den Finanzmärkten hält.

US-Wirtschaft auf stabilen Pfeilern

In den USA sorgen der robuste Arbeitsmarkt, das leichte Anziehen der Einkommen sowie die Stabilisierung der Industrieproduktion für ein intaktes binnenwirtschaftliches Rückgrat. In der Eurozone zeigen sich die konjunkturellen Vorlaufindikatoren unbeeindruckt von den politischen Themen, allerdings nimmt die Dynamik am Arbeitsmarkt ab, was den Konsum und die Einkommen belastet. In den Schwellenländern hellt sich die Konjunktur auf. Die Währungshüter in den aufstrebenden Volkswirtschaften haben zudem noch gewissen Spielraum, die Konjunktur über Zinssenkungen anzukurbeln.

Nächste US-Zinserhöhung im Dezember wahrscheinlich

Nach einer einjährigen Pause dürfte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Dezember die nächste Leitzinserhöhung vornehmen. Sollte sich Trump allerdings mit der Regierungsbildung Zeit lassen, könnte der Markt die Zinserhöhung für Dezember wieder in Frage stellen, was die Börsen wiederum weltweit stützen würde. Spätestens im Jahr 2017 rechnen wir fest mit der Zinserhöhung. Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank aufgrund des leicht erhellten Konjunkturausblicks mindestens zwei Zinserhöhungen in 2017 vornehmen wird. Sollte die Amtszeit von Fed-Chefin Janet Yellen Anfang 2018 durch Trump nicht verlängert werden, könnte beim Zinserhöhungspfad eine neue Form der Politik beginnen. Doch bis dahin vergeht noch einige Zeit, die für Investoren durch die Wahl von Trump sicherlich mehr Spannung als Langeweile verspricht.

Die Renditen haben zwar schon Boden gut gemacht, von einer merklichen Trendumkehr kann jedoch noch nicht die Rede sein. Der US-Dollar dürfte nach der kurzen Schwächung direkt nach den Präsidentschaftswahlen in den USA weiter zulegen – wenn auch nur leicht.