Japans Abenomics vor dem Scheitern? „Globale Investoren sind enttäuscht“

Shinzo Abes ambitionierte Ansätze, der Wirtschaft zu altem Glanz zu verhelfen, drohen zu scheitern. Die drei Pfeile seiner Politik erscheinen zusehends stumpf. Es hapert an echtem Reformwillen – vor allem auf Seiten der Unternehmen

23.02.2016 - 11:0223.02.16 - 15:23
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Die Abkühlung beim großen Nachbarn China ist der Grund, wahlweise auch das viel zu warme Winterwetter. Letzteres jedenfalls macht die japanische Regierung als wesentlichen Faktor für jüngst abermals enttäuschende Daten der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aus: Bruttoinlandsprodukt (BIP) – im vierten Quartal aufs Jahr hochgerechnet – um 1,4 Prozent gesunken, Konsum – mit 60 Prozent Anteil wichtigste Säule des BIP – mit einem Rückgang von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Damit schwanken die Zahlen seit dem Start der radikal neuen Wirtschaftspolitik, die Ministerpräsident Shinzo Abe zum erfolgreichen Wahlprogramm gemacht hat, seit seinem Amtsantritt im Dezember 2013 unerwünscht stark. Bislang, ist festzuhalten, entfacht das Abenomics getaufte Programm allenfalls in Teilen die gewünschte Wirkung.

Enttäuschendes Real-Wachstum

Insgesamt gab es zwischen dem Start der Abenomics und dem vierten Quartal 2015 fünf Quartale, in denen die Wirtschaft schrumpfte – trotz expansiver Geld- und Fiskalpolitik. Das reale Wachstum betrug dabei in Summe lediglich 1,9 Prozent. Abe hat zwar nach seinem Antritt nur ein nominales Wachstumsziel erklärt und dabei auch vermieden, einen Zeitrahmen zu nennen: ein Plus von 20 Prozent des nominalen BIP auf 600 Billionen Yen (rund 4,8 Billionen Euro) – ausgehend von den 500 Billionen Yen, bei denen das nominale BIP über die vergangenen 20 Jahre mehr oder weniger lag.

Klar erscheint trotzdem: Die drei Pfeile, die er aus dem Köcher geholt hat, um der Wirtschaft zu altem Schwung zu verhelfen, die sie nach dem zweiten Weltkrieg schnell hat zur zeitweise wichtigsten Wirtschaftsmacht Asiens werden lassen, sind nicht so spitz und treffsicher wie erhofft.