J.P. Morgan-Kapitalmarktstratege Tilmann Galler „Anleger lassen sich heute oft von Gefühlen statt von Fakten leiten“

Experten der US-amerikanischen Investment-Gesellschaft J.P. Morgan diskutierten im Rahmen ihrer jährlichen Asset Management Academy vor Finanzberatern und Geschäftspartnern in Hamburg, ob die Unsicherheit an den Märkten gerechtfertigt ist.

03.03.2017 - 10:1903.03.17 - 17:41
|
Von: 
|
|
Kapitalmarktstratege Tilmann Galler bei der J.P. Morgan Asset Management Academy in Hamburg
Kapitalmarktstratege Tilmann Galler bei der J.P. Morgan Asset Management Academy in Hamburg© Sarah Steiner

Der Saal war gerammelt vor: In Hamburg trafen sich am 2. März Finanzberater und Vertriebspartner bei der J.P. Morgan Asset Management Academy „Investieren in einer Welt globaler Divergenzen – Wachstum, Fiskalpolitik und Wahlen: Herausforderungen in 2017“ im Steigenberger Hotel. Diskutiert wurde das aktuelle Geschehen an den Finanzmärkten.

Im Mittelpunkt stand die Unsicherheit, die viele Investoren aktuell plagt. „Anleger lassen sich heute eher von Gefühlen leiten als von Fakten“, stellte Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan, fest. Das liege an den vielen Wendepunkten in Politik und Wirtschaft, die sich aktuell abzeichnen: Während sich der Dienstleistungssektor gleichmäßig entwickele, sei die industrielle Fertigung nach ihrem Niedergang in den vergangenen Jahren seit Herbst 2015 wieder kräftig gewachsen, so Galler. Die Geldpolitik verschwinde etwas von der Bildfläche, dafür tue sich die Fiskalpolitik hervor. Zudem erhalte der Handel durch die Politik von US-Präsident Donald Trumps protektionistische Züge und es zeigen sich wieder inflationäre Tendenzen.

Kurz gesagt: Die Rahmenbedingungen ändern sich, und Neues verunsichert erst einmal. Doch ist das rational? Schließlich schwankte der US-Aktienindex S&P 500 im Januar und Februar täglich nicht mehr als ein Prozent. Galler zufolge war das zuletzt in den 1960er Jahren der Fall.

Weltwirtschaft wächst stabil

Um festzustellen, ob die Unsicherheit der Anleger gerechtfertigt ist, kommentierte Galler in Hamburg im Rundumschlag die Weltwirtschaft. Die Einkaufsmanagerindizes beurteilte der Kapitalmarktstratege positiv: Sie lassen weltweit ein stabiles Wachstum erwarten. Der Schwellenländer-Index rangierte vergangenen Januar bei 50,8 Punkten, das Barometer für Industrieländer sogar bei 54,2 Punkten.

In den USA zeigt sich ein langsames, aber stetiges Wachstum. Das reale Bruttoinlandsprodukt lag im vierten Quartal 2016 bei 1,9 Prozent. Trumps politische Agenda bezeichnete Galler als „ambitioniert“. Zudem seien in den USA weitere Wachstumshindernisse erkennbar, so Galler. Der Absatz von Pkws beispielsweise sei in den vergangenen Monaten zwar gestiegen, jedoch sei der Zyklus schon sehr weit fortgeschritten. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Absatz bald sinkt, sei hoch. Außerdem habe die Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik zugenommen.